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Erwachsen werden

Je näher mein nächster Geburtstag rückt, desto mehr Gedanken mache ich mir darüber. Denn es ist nicht irgendeiner, den ich dieses Jahr begehen darf oder muss. Nein, es ist mein 18. Geburtstag. Achtzehn. Das klingt so gar nicht nach mir.

Genausowenig wie Erwachsensein nach mir klingt. Aber beides trifft bald auf mich zu, zumindest auf dem Papier.

Ab diesem Schuljahr darf ich mich Abiturientin nennen und wenn ich mich jetzt nicht sonderlich doof anstelle, dauert es kein Jahr mehr, bis meine Schulzeit vorbei ist. Wow. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen.

Meine Schulzeit neigt sich dem Ende zu. Zwölf lange Jahre. Was habe ich heute noch mit dem Mädchen mit den kurzen Haaren und der Felix-Schultüte, das von dem Foto in der Collage meiner Mutter in unseren Flur lächelt, gemeinsam?

Ich habe Noten bekommen und sie für zu wichtig gehalten. Ich habe mich nicht angestrengt, habe geschwiegen und trotzdem recht gute Noten bekommen. Ich habe Unnützes gelernt und Wichtiges. Ich habe in Pausen gelesen und gequatscht.

Aber vor allem habe ich immer gedacht, dass die Schulzeit nie zu Ende gehen wird. Es war alles noch so weit entfernt, so unwirklich. Abitur, Studium, Beruf, all das habe ich betrachtet, als könne es nie zu einem Teil meines Lebens werden.

Wie geht es weiter mit mir?

Was will ich?

Ich weiß, dass die Welt nicht stehenbleiben wird, wenn mein Geburtstag da ist. Ich weiß, dass sich dadurch eigentlich nichts verändert.

Es ist nur ein Tag, der vergeht, ein einziger Tag.

Aber mit diesem Tag kommen Rechte, die ich nie hatte, Rechte, aber auch Verantwortung.

Ich darf mir Zigaretten und Alkohol kaufen, darf bei der Bundestagswahl wählen, darf alleine Auto fahren, wenn ich meinen Führerschein habe, darf heiraten und alleine aus- und umziehen. Ich darf ein rechtskräftiges Testament verfassen und in alle Diskos gehen. Ich darf nach dem Erwachsenenstrafrecht verurteilt werden und Lotto spielen.

Das macht mir Angst, ehrlich gesagt. Denn ich weiß nicht, ob ich bereit dafür bin, erwachsen zu sein.

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Was willst du später machen?

Diese Frage geistert durch die Schule und scheint ansteckend zu sein. Kaum einer, der sie nicht stellt, mit neugierigem Gesichtsausdruck. Auch die Lehrer bilden bei diesem Phänomenen keine Ausnahme. Aber es fällt schwer, eine Antwort zu geben.

Psychologe, das hört man gelegentlich. Musicalschauspielerin (Traum seit Kindheitstagen), Regisseurin, Medizinerin. Zahnmedizinische Fachangestellte, Bürokauffrau, Architekt.

Und immer wieder: Lehrer. Für Englisch und Musik. Oder für Geographie und Englisch. Für Sport und Musik.

Es gibt so viele Möglichkeiten, dass man kaum weiß, was aus einem werden soll. Selbst wenn man sich eigentlich sicher ist, packt einen doch immer wieder der Zweifel, ob man damit nicht vielversprechende Chancen verstreichen lässt.

Oder man bekommt den Zweifel an’s Herz gelegt.

Seit Jahren ist es immer wieder der Lehrberuf, der mich anzieht. Lehrerin für Deutsch und Geschichte. Oder für Politik. Oder für Philosophie.

Eine Zeit lang spielte ich mit dem Gedanken, Ärztin zu werden. Aber ich habe eingesehen, dass das nichts für mich ist. Jura studieren, das habe ich auch schon erwogen. Doch mein Herz kehrt immer wieder zum Lehrberuf zurück.

Vor einigen Monaten hat meine Deutschlehrerin gefragt, was ich denn werden wolle. Ich antwortete mit „Lehrerin.“. Dann hat sie mir vorgehalten, welche Chancen ich dadurch verstreichen lassen würde, dass ich lieber etwas naturwissenschaftliches machen solle, da werden ja Fachkräfte gesucht, das könnte ich doch auch.

 

Und jetzt… bin ich wieder am Grübeln.

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