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Vorwürfe und Glücksmomente

Ich bin nicht unbedingt der kommunikative Typ. Ich schreibe keine Rundmail/-SMS/-WhatsAppnachricht oder ähnliches, wenn sich etwas in meinem Leben ändert. Dafür bin ich zu wenig Selbstdarsteller und zu sehr davon überzeugt, dass es nicht alle Leute interessiert, was in meinem Leben so passiert.
Wenn ich jemanden persönlich treffe, ist das natürlich anders. Da kommt das Gespräch nun mal (unter Umständen) darauf, was man denn aktuell macht.
Ich habe schon sehr lange auf die Frage nach meiner Zukunft mit dem Lehramtsstudium in ebenjener Stadt geantwortet, in der ich nun auch studieren werde. Allerdings war das zu diesen Zeitpunkten ja nicht sicher. Jetzt ist es das.

Heute war ich mal wieder bei einer Veranstaltung, bei der ich einen gewissen Bekanntenkreis aufgebaut habe (ehrenamtliche „Arbeit“ in gewissem Sinne) und habe verschiedene Reaktionen auf diese Neuigkeit bekommen. Einige waren recht distanziert, andere meinten, ich sei ja trotz der Entfernung nicht aus der Welt und dann gab es noch die dritte Gruppe. Die, die sagte, dass ich fehlen werde und dass man mich vermissen wird.
Diese war nochmal aufgeteilt in jene, die mir unterschwellig zu verstehen gaben, dass ich sie hängen lasse (das weiß ich doch! Es tut mir echt leid und ich weiß auch, dass ich in der internen Karriereleiter hätte aufsteigen können, wäre ich geblieben – ich wurde gefragt, ob ich nicht nächstes Jahr für einen höheren Posten kandidieren möchte…) und die, die es wirklich einfach schade fanden.
Darunter den einen, mit dem ich immer bei Sitzungen herumalbern kann und der mich stets zum Lachen bringt. Wir necken uns häufig und verstehen uns einfach gut.
Und auch den anderen, der mir mal Blümchen zu Sitzungen mitbringt und auf meinen Unterlagen herumkritzelt und -malt.

Es ist schwer für mich, fortzugehen. Ganz neu anzufangen. Unter Umständen werde ich durch diese Entscheidung nie wieder das erreichen können, was ich jetzt schon erreicht habe.
„Ich finde es ja toll und unterstütze es voll und ganz, wenn du studierst, wenn du Lehrerin wirst und etwas für unser Bildungssystem tust. Aber das du das, was du dir hier aufgebaut hast, einfach zurücklässt, das verstehe ich nicht und kann ich nicht unterstützen.“
Das habe ich zu hören bekommen. Ich wurde ausgefragt, warum es diese Stadt sein muss, warum nichts Näheres, warum ich gehen will.

Warum will ich gehen?
Das ist schwer zu beantworten. Ich denke, dass ich einfach meinen eigenen Weg finden muss, dass ich mich deutlich besser weiterentwickeln kann, wenn ich diesen Schritt wage. Ich denke, dass ich gerade dadurch, dass ich dieses ganze Netz von Menschen, die mich schon kennen – die mich teilweise schon sehr lange kennen – nicht im unmittelbaren Umfeld haben werde, offener für Neues im Studium, aber auch ganz allgemein im Leben sein kann.

Ich weiß noch nicht, ob es ein Fehler war, ist oder sein wird. Ich werde es nie wissen, denn „Was Wäre Wenn?“ ist nicht unbedingt realistisch. Ich habe meine Entscheidung getroffen (und das fiel mir schwer!) und werde diesen Schritt ins Unbekannte einfach wagen müssen. Für ein Kneifen ist es zu spät. Es ist als sei ich vom Sprungbrett gesprungen und bewege mich nun auf das Becken zu. Ich weiß nicht, ob das Wasser warm oder kalt sein wird, ich weiß nicht, ob der Aufprall hart oder weich sein wird, ich weiß nicht, wieviele Wellen ich durch mein Eintauchen verursachen werde.
Ich weiß es nicht. Aber es ist mir auch egal, in diesem einen Augenblick gibt es nichts als das Gefühl von Freiheit und Freude, den Stolz über den eigenen Mut und die Entscheidung.
Ich entspanne mich. Das Wasser kommt früh genug.

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Umzug (Die Zweite)

An demselben Tag sollten natürlich auch schon die Betten stehen (sinnvollerweise 😉 ). Zusammengebaut werden mussten also zwei Hochbetten und ein normales. Beim Zusammenbauen der Hochbetten war ich nicht dabei, ich habe es nur immer mal wieder krachen hören (und teilweise auch Fluchen)… Dafür aber bei dem normalen. Nele war grad wieder irgendwo in der Wohnung unterwegs und Thomas und ich betrachteten die Einzelteile, die für den Zusammenbau so notwendig sein würden. Erstaunlicherweise waren auch kleine Holzklötzchen mit der Aufschrift „Jenga“ dabei. Wem das nichts sagt: Das ist ein Spiel, bei dem aus einem Turm aus ebendiesen Holzklötzchen immer abwechselnd eines hinausgezogen und oben drauf gelegt wird. Bei wem der Turm dann umfällt, der hat eben verloren.

Was das aber beim Zusammenbau eines Bettes sollte?

Nele gab uns wenig später grinsend die Antwort: Da es ein Doppelbett sei und zwei solcher Einlegelattenroste habe, müsse man ja etwas dazwischen stecken, damit die Dinger an ihrem Platz bleiben.

Eine interessante Verwendungsmöglichkeit, muss ich schon sagen 😉

In der Nacht habe ich dann übrigens in dem einen Hochbett geschlafen – glücklicherweise hat es mich ausgehalten. Ja, ich gebe es zu, ich habe ein wenig meine Zweifel an den Baukünsten derjenigen, die’s eben aufgebaut haben, gehabt…

Am nächsten Tag ging es dann weiter, es war ja bei weitem nicht alles fertig.

Das letzte Bett wurde aufgebaut und ich durfte Bücher ins Regal sortieren (nachdem ich es ausgewischt habe natürlich). So etwas mache ich ja nun gerne, aus diesem Grunde habe ich ja auch mal ein Praktikum in einer Bibliothek gemacht. Ominöserweise passten allerdings nicht mehr alle Bücher in das Regal, die laut Neles Aussage vorher dringestanden haben. Merkwürdig, aber nicht zu ändern.

Beim Einsortieren habe ich auch gleich ein Buch gefunden, was mir sehr gefallen hat (einfach vom Titel und Klappentext her – mittlerweile habe ich es aber auch gelesen):

„Ich darf das, ich bin Jude“ von Oliver Polak.

Und, man kann es nicht anders sagen: Der Name ist Programm. Wer aber nicht über politisch Inkorrektes lachen kann, der sollte dieses Buch eher meiden 😉

Später hatte ich noch so wahnsinnig verantwortungsvolle Aufgaben wie Kindersicherungen in Steckdosen zu kleben und auf Leitern stehenden Leuten Schrauben wieder aufzuheben. Ach, und nicht zu vergessen: Den Staubsauger beim Löcher bohren drunterhalten 😉

Erwähnenswert ist auch noch der Tischler, der am Freitag kommen sollte, um den Zaun auszubessern und die Arbeitsplatte in der Küche zuzuschneiden (und um Nele glücklich zu machen, erwähne ich es hier extra: Nele hat eine tolle Küche! Mit Spülmaschine! Und grünen Fliesen, gelben Schränken und einer dunklen Arbeitsfläche. Total schick!).

Ausgemacht war halb Zehn. Wann klingelte es? Um dreiviertel Acht – für alle Normaldeutschen ( ;P ) übrigens Viertel vor Acht. Das war schon eine Merkwürdigkeit, aber da er und sein Kollege sich sowieso erst um den Zaun kümmern wollten nicht weiter schwierig. Um Eins kam dann Thomas (ja, genau der, mit dem ich das Regalbrett kaputt gemacht habe *hust*). Der sollte nämlich die Lampen aufhängen und die Wasserleitungen wieder anschließen, sobald die neue Arbeitsfläche angebracht ist. Das kann der nämlich 😉

Und eigentlich hat Nele diese fachkräftige Hilfe Katja zu verdanken, der Lebensabschnittverschönerin von Thomas, das ist nämlich eine Freundin von ihr. Dadurch entstand folgendes Gespräch:

Nele: „Das macht er toll, oder Muffin?“
Thomas: „Ja… empfehlt mich bitte nicht weiter.“
Nele (grinsend): „Oh, ich kenn da einen, der hat mir meine Küche gemacht, der hilft dir bestimmt auch gerne…“
Thomas: „Ja, genau. Den kannst du auch rund um die Uhr anrufen, um halb Drei nachts, deutschlandweit, der hilft dir gerne.“

Nele: „Ihr scheint eine sehr glückliche Beziehung zu führen.“
Thomas: „Ja, seitdem ich Umzüge mache: „Schatz, mach‘ du mal deinen Umzug und lass mich machen.““

Ich mag ihn ;D

Irgendwann war der Tischler dann auch mal wieder zurück, der hatte nämlich Mittagspause und meinte gleich, dass er nochmal wiederkommen müsste, wegen des Zauns… da hätten sie nämlich zehn Latten zu wenig mitgebracht. Er hatte also getreu dem Wortsinn nicht alle Latten am Zaun 😀

Sehr sympathisch war auch, dass er die ganze Zeit, während er seine Berechnungen auf der Arbeitsfläche anstellte wegen der Löcher für Ceranfeld und Spüle, vor sich hinmurmelte, sodass Nele ganz leise meinte: „Ich dachte, dass das nur Frauen machen, beim Reden Lösungen finden…“. Das war ziemlich lustig. Fast so lustig wie Neles Gesichtsausdruck, als der Tischler dann irgendwann meinte: „Hm, jetzt hab ich was falsch gemacht.“…

Zum Glück, bevor er irgendwas zugeschnitten hat 😉

Nele ist daraufhin aber lieber aus der Hörweite verschwunden…

Schlussendlich hat aber doch alles mehr oder weniger gut geklappt und auf dem einzigen Bild, das Nele vom Umzug hat, sitze ich (sehr elegant natürlich *hust*) auf ihrer neuen Arbeitsplatte (damit die nicht verrutscht) und Thomas steckt so halb im Schrank über dem ich sitze, weil er ja die Arbeitsplatte festschrauben musste.

Übrigens sind diese schicken Muffins, die in meinem Blog-Hintergrund zu sehen sind, in ebendieser tollen Küche entstanden. Die übrigens eine Spülmaschine hat. Hab‘ ich das schon erwähnt? 😉

 

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Umzug (Die Erste)

Seit ein paar Tagen bin ich stolze Besitzerin einer Sonnenblume. Sie ist wunderbar, eine Erinnerung an’s Lächeln, an schöne Momente und an einen ganz lieben Menschen (beziehungsweise sogar mehrere).

Aber um nicht mittendrin oder am Ende anzufangen und auch dem Titel dieses Eintrages gerecht zu werden, fange ich jetzt, wo das gesagt ist, was mir am meisten am Herzen lag, noch einmal an.

Meine Freundin ist umgezogen. Und da sie ziemlich weit weg wohnt und mir trotzdem oft näher ist als die Menschen in meinem direkten Umfeld, wollte ich dabei sein. Die Ferien kamen diesem Plan natürlich entgegen.

Aber ich wollte auch ein klein wenig (oder auch viel) überraschen. Bei so einer Entfernung sind spontane Besuche ja unmöglich. Aber unangekündigte nicht.

Für eine ganze Weile sah es ohnehin so aus, als würde nichts daraus werden können. Am Tag vor dem Umzug war ich noch im Süden Deutschlands, mehrere Stunden Zugfahrt von Zuhause und auch von Nele entfernt. Aber an zwei Tagen hintereinander stundenlang Zug zu fahren, nur hastig zu packen und nicht allzu lang zu schlafen, das alles war es mir wert. Für das Lächeln, was ich auf Neles Gesicht sehen konnte.

Ganz unangekündigt war es nicht. Ihrem „Lebensabschnittsverschönerer“ (ich finde dieses Wort ziemlich genial/lustig ;D ) hatte ich es verraten. Und der sagte es ihr dann ungefähr eine halbe Stunde, bevor ich ankam. Das Gesicht von Nele hätte ich ja nur zu gerne auch gesehen… Aber ich konnte es mir ja vorstellen und die SMS, die ich dann bekam („Ihr seid doch soooooo doof!!!“, gleich darauf gefolgt von „*freuuuuuuuuuuu*“), sagten auch schon einiges ;D

So kam es dann, dass ich mitten ins Umzugschaos kam und verkündete, dass ich eine Woche bleiben würde. Könnte man auch als ziemlich unverschämt werten. Aber ich habe ja auch mitgeholfen 😉

Ob DAS dann allerdings so gut war, ist eine andere Frage. Zusammen mit einem anderen Helferling (Thomas) habe ich’s zumindest geschafft, ein Regalbrett kaputt zu machen… *schäm*

Das wiederum kam so: Das Regal war eins von Ikea, namentlich das Modell „Expedit“. Wer sich davon mal ein Bild angesehen hat, weiß, dass das Ding unzählige gleichgroße Fächer hat (theoretisch, das von Nele ist jetzt ein Designerstück mit extragroßem Fach…). Es gibt also das Boden- und Oberteil, die Seitenteile sowie wenige lange und mehr kurze Teile für die Fächer. Beinahe alles nur zum In-Einander-Stecken. Also ganz einfach. Ikea eben. Und weil wir zwei so kompetent aussahen und es eben wirklich einfach ist, hat Nele sich darauf beschränkt eben auch nur das zu sagen. Dass im Prinzip nur gesteckt werden muss.

Aber warum einfach, wenn’s auch kompliziert geht? Kurz und gut (oder eben nicht gut), wir haben es geschafft, dieses Ikea-Regal falsch zusammenzubauen… Eine echte Leistung.

Eigentlich muss man nämlich die kurzen Teile senkrecht und die langen waagerecht anbringen – wir haben es genau andersrum probiert. Dadurch war das Ganze während des Bauens ziemlich wackelig und stürzte dann eben auch einmal zusammen. Tja… Und dabei ging ein Brett kaputt. Wir bauten trotzdem noch munter weiter (Nele war grade anderswo am Verzweifeln) und schlussendlich stand es auch. Nur so ganz richtig sah es nicht aus. Es ging zwar, aber irgendwie…

Wir schauten es uns an und überlegten und dann kam Nele, schaute auch und stellte fest, dass das falsch zusammengebaut sei. Irgendwie fand sie es auch ein bisschen lustig… Die passenden Sätze aus der Situation:

„Und wo ist jetzt die versteckte Kamera von „Verstehen Sie Spaß?““ (Nele)

„Duhuuu, Katja (Lebensabschnittverschönerin von Thomas)? Frisst der Thomas Leute, wenn er wütend ist? Dann sollte ich wohl besser verschwinden.“ (Nele)

„Wir sind von Ikea beauftragt und sollen andere Möglichkeiten des Zusammenbaus herausfinden.“ (Thomas)

„Wir sollten feststellen, ob der Zusammenbau vom Regal wirklich idiotensicher ist.“ (Thomas)

Also hieß es: Nochmal auseinander- und wieder zusammenbauen. Und das übrigens in ungefähr einem Zehntel der Zeit, die wir für das erste Zusammenbauen gebraucht haben… Das war also doch schon irgendwie eine Kunst für sich ;D

Mehr Umzugsgeschichten gibt’s dann morgen 😉

 

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