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Wie Tahmid sein Abi durch Mitleid bekam

Manchmal ist es sicher schwer, die richtige Entscheidung zu treffen. So fühle ich auch mit Señor Enano.

Tahmid hätte eigentlich die null Punkte im Zeugnis verdient. Er kommt kaum und wenn er mal da ist, bemüht er sich nicht einmal, mitzuarbeiten.

Und dann ist da die Sache mit der Klausur…

Tahmid hat die Klausur nachgeschrieben (wie er alle Klausuren nachschreibt – absichtlich. Denn bei Señor Enano brauchen wir kein Attest, um bei einer Klausur zu fehlen. Señor Enano ist da schwer in Ordnung.). Tahmid schreibt nach, weil er dabei alleine ist und sein Smartphone benutzen kann, um die Klausur zu bearbeiten. Eigentlich wäre das ja nicht nötig, wenn er mal dem Unterricht beiwohnen würde… Aber sei’s drum.

Bei Señor Enano ist die Nachschreibeklausur eigentlich immer genau dieselbe Klausur, die auch die anderen Schüler am regulären Termin geschrieben haben. Und zumeist benutzt er irgendwelche Dinge, die wir im Unterricht besprochen haben, sodass es kein Hexenwerk ist, das inhaltlich hinzubekommen. Zudem gibt er meistens auch Hinweise, was drankommen wird. In diesem Fall das siebte Kapitel unserer Lektüre.

Da ich das vorbereiten sollte und auch vorgetragen habe, hatte ich davon eine Zusammenfassung, die ich auch schon abgetippt hatte, weil Ilvy, die krank gewesen ist, mich darum gebeten hatte, dass ich ihr das schicke und ich es für besser hielt, es abzutippen, als es einfach einzuscannen. Das ist so einfach lesbarer und ich kann eventuelle Fehler (also zumindest die, die mir auffallen) ausbügeln.

Diese Zusammenfassung (und eine Charakterisation einer Figur aus diesem Kapitel) habe ich also Tahmid geschickt, weil ich wollte, dass er sich auf die Klausur vorbereiten kann. Weil ich wollte, dass er eine anständige Note hinbekommt, weil er ja zwei Halbjahre Spanisch ins Abi einbringen muss.

Fakt ist, dass ich ihm damit quasi die Lösung zweier Aufgaben aus der Klausur geliefert habe. Auf relativ hohem Niveau.

Was macht Tahmid also, der Arbeit zu gerne mal scheut?

Er druckt sich das aus und nimmt es mit zur Klausur. Den Text schreibt er komplett so ab.

Dass das nicht unbemerkt bleiben konnte, war offensichtlich. Denn Tahmid bringt im Unterricht keinen einzigen spanischen Satz zustande und dümpelt im Unterkursbereich umher. Und plötzlich soll er so einen Text verfasst haben? Unglaubwürdig…

Das führte dazu, dass Señor Enano, als er uns am Montag die Klausuren austeilte, ihm seine nicht wiedergab. Stattdessen forderte er Tahmid auf, sich in’s Vorzimmer unseres Raumes zu setzen und seine Klausur zum Großteil ins Deutsche zu übersetzen. Ein Ding der Unmöglichkeit für ihn. Er versuchte es dennoch, mehr oder minder erfolgreich und wieder mit Einsatz elektronischer Hilfsmittel.

Ich hatte das schlechte Gewissen wohl ins Gesicht geschrieben, denn so fühlte ich mich. Verantwortlich dafür, was passiert war, denn ich wusste sofort, worum es ging.

Heute war Tahmid (wie zu erwarten war…) nicht anwesend und Señor Enano wandte sich an mich und meinte, dass ich Tahmid ja ausrichten könnte, dass es eine Doppelnull geworden sei (wobei er am Montag sagte, dass es, hätte er’s gewertet, wohl elf oder zwölf Punkte geworden seien).

Nach dem Unterricht sprachen wir noch weiter und er fragte mich, wie es denn um Tahmids Abi stünde, woraufhin ich meinte, dass ihm null Punkte das Genick brechen würden. Denn null Punkte bedeutet Kursaberkennung – eigentlich zu verschmerzen, doch Tahmid MUSS diesen Kurs belegt haben. Dementsprechend zöge das die Nichtzulassung zum Abitur nach sich.
Señor Enano meinte, Tahmid hätte durchaus null Punkte verdient, doch er würde ihm, wenn die Dinge so seien, einen Punkt geben.
Ein Mitleidspunkt. Der Tahmids Abitur rettet.

Dann sagte er auch noch: „Wenn man so blöd ist und das so auffällig macht wie Tahmid, dann hat man allein dafür schon null Punkte verdient…“

Dem kann ich nur beipflichten…

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Frust

Es frustriert mich, wenn ich mir in Spanisch dauernd Sätze anhören darf wie „Sollen die Leute von der Muffinschule doch wegbleiben!“. Das ist unfair.

Die neueste Verrücktheit, die sich die Spanischschule ausgedacht hat, ist eine Verlegung der Mittwochsstunden, damit wir nicht bis 18:20 Uhr dort herumsitzen müssen (de facto machen wir meist sowieso früher Schluss, weil es ein Unding ist, von morgens bis abends in der Schule zu sitzen und durchgängig Unterricht zu haben). Lustigerweise werden dabei der Donnerstag und der Freitag in Betracht gezogen, am früheren Nachmittag. Also, so ungefähr um Viertel nach Drei.

Donnerstags habe ich um diese Uhrzeit aber noch Unterricht, Pädagogik bei Frau Lasch. Als ich dies anmerkte, erzählte mir Solange, dass ihre Schulleiterin im Gespräch gemeint habe, sei werde alle Stundenpläne überprüfen, aber auf die Schüler der Muffinschule keinerlei Rücksicht nehmen. Wie bitte?!

Klar, von uns sind nur viereinhalb Leute im Kurs und von der Spanischschule viel mehr. Viereinhalb deswegen, weil ein Mädchen dieses Schuljahr noch gar nicht und im letzten Halbjahr nur zu Beginn einmal aufgetaucht ist. Eigentlich bräuchte sie aber die Stunden… Aber gut, mir soll’s egal sein. Gehen wir also davon aus, dass von unserer Schule vier Schüler da sein sollten und von der Spanischschule zwölf. Die genaue Zahl weiß ich nicht. Denn, und das ist der springende Punkt, über die Hälfte der Leute kommt doch eh nicht zum Unterricht!

Heute waren wir beispielsweise zu siebt. Ich war die Einzige von meiner Schule. Michelle, die Neue, ist krank, zumindest habe ich das gehört. Ilai kommt sowieso nicht und Tahmid ist höchstens alle zwei Wochen mal da.

Trotzdem finde ich es ungerecht, uns verallgemeinert die Schuld zu geben. Ohne uns wäre alles besser, wir sollten doch sehen, wo wir bleiben, wir seien doch eh nie da, wer bräuchte uns schon, ohne uns könnte man viel besser Unterricht machen… Durfte ich mir alles anhören.

Was mich an diesem Kurs ebenfalls noch frustriert ist die Tatsache, dass die Kommunikation zwischen unseren Schulen extrem mies ist. Ich weiß nicht, woran das liegt.

In der Woche vor den Herbstferien beispielsweise war Senor Enano nicht da, wir sollten aber eine Klausur schreiben. Sind wir also am Montag alle gekommen und es wusste keiner von irgendwas (scheinbar hatte es mit der Kommunikation im Kollegium der Spanischschule nicht geklappt…). Wir trugen uns also in eine Anwesenheitsliste ein (und ich hab‘ Tahmid noch dazugeschrieben. Weil ich nett bin und wusste, dass er nicht kommt. Verdient hat er’s nicht…) und gingen nach Hause. Neuigkeiten diesbezüglich haben mich vor den Ferien nicht mehr erreicht.

Mich nicht, das stimmt. Und auch sonst niemanden aus meienr Schule, also weder Michelle, noch Ilai noch Tahmid.

Die Schüler der Spanischschule aber haben dann am Mittwoch vor den Ferien geschrieben. Uns wurde das nicht einmal gesagt, wir waren auf dem Stand, dass es nicht stattfinden würde.

Wir dürfen oder besser gesagt müssen nächste Woche dann nachschreiben. Am offiziellen Nachschreibtermin der Spanischschule, in der Spanischschule. Super…

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Das kommt mir spanisch vor…

Vielleicht liegt das daran, dass ich jetzt mal wieder eine kleine Ansammlung an Schmunzelwürdigem aus dem Unterricht in besagten Fach zum Besten geben möchte 😉

Der Titel kommt übrigens aus einer der letzten Spanischstunden, in der Señor Enano mal wieder nach einem Satzteil fragte und zwar mit den Worten: „Was ist das?“

Als er dann jemanden dran nahm, der sich nicht gemeldet hat, resultierte das in der stumpfen Antwort:
„Das ist Spanisch.“

War nicht unbedingt das, was Señor Enano erwartet hatte ;D

Dabei sollte er schon aus einer früheren Stunde gelernt haben. Da haben wir nämlich die Zahlen wiederholt, weil einige Spezialisten immer noch arge Probleme damit haben.

Señor Enano: „Ilvy, schreib mal siebzehn auf Spanisch an die Tafel.“, forderte er eine unserer Kursbesten auf und drehte sich dann wieder zur Klasse und erzählte irgendetwas. Währenddessen ging Ilvy nach vorne und da sie keine Ahnung hatte, wie sie siebzehn richtig schreiben sollte, versuchte sie es mit Humor und schrieb die Ziffer 17 an die Tafel…
Señor Enano hat das mit Humor genommen – ausschreiben musste sie „diecisiete“ trotzdem noch 😉

Auch im Spanischen gibt es falsche Freunde, Wörter also, die so klingen wie deutsche, aber etwas anderes bedeuten. Eines dieser Wörter sorgte bei einer Partnerarbeit für Erheiterung. Es war ein einfaches Frage- und Antwort-Spiel auf Spanisch und es ging um Dinge und wieviel sie kosten. Da kam bei Federica das Wort „ordenador“ und ein Preis von 495 Euro und sie meinte stumpf: „Das ist aber ein teurer Ordner!“
Blöd nur, dass „ordenador“ übersetzt „Computer“ heißt 😀

Nicht unbedingt ein falscher Freund, sondern eine falsche Assoziation war es, mit der Tahmid uns zum Lachen brachte.
Jemand las gerade einen Satz vor und Señor Enano forderte Tahmid, weil er schon so unaufmerksam wirkte, auf, den Satz zu wiederholen. Tahmids Entschuldigung:
„Ich habe nur dieses „planchar“ gehört, dann hab‘ ich an Planschen gedacht und dass war ich weg.“

Wir haben in unserem Jahrgang zwei neue Schülerinnen und eine davon ist auch bei mir im Spanischkurs. Die folgende Szene ereignete sich bei ihrem ersten Unterricht:

Sie stellte sich gerade vor und Achmed hat mal wieder nicht zugehört. Da sie aber schon zum wiederholten Male ihren Namen gesagt hatte, war sie wohl etwas genervt…

Achmed: „Wie heißt du?!“
Michelle: „MICHELLE!“
Achmed: „Ok, ich bin der Harald.“

Er ließ sich auchden Rest der Stunde so nennen und reagierte nicht auf Achmed 😀

Das war es auch wieder für’s Erste. Momentan ist Spanisch nicht ganz so unterhaltsam wie sonst, da die Kandidaten, die sonst immer für den einen oder anderen Lacher sorgen, gar nicht erst auftauchen. Tahmid, Achmed, Erdal, Ilai… Alle bisher entweder gar nicht oder nur ein- bis höchstens zweimal dagewesen… Schade eigentlich.

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Zu weit gegangen.

Ich habe Señor Enano noch nie so wütend erlebt.

Schuld daran war Judith. Wir mussten Kurzvorträge über die comunidades autónomas halten, jeder über eine. Ich habe meinen Vortrag über das Baskenland als Erste gehalten. Heute waren Ilvy und eben Judith dran. Ilvy mit Extremadura und Judith mit Cataluña, also Katalonien. Judith war die Erste der Beiden. Sie schlug sich recht wacker, bis Señor Enano sie verbesserte. Das macht er bei jedem, natürlich, denn es ist ja seine Aufgabe, uns Spanisch richtig beizubringen. Bei Vorträgen hält er sich damit auch zurück und greift nur bei groben Fehlern ein. Aber das auch bei jedem. Das hat er auch bei mir gemacht.

Auf diese Verbesserungen reagierte Judith schon empfindlich und meinte zu Señor Enano, dass er sie doch bitte nicht unterbrechen solle. So führte Judith dann ihren Vortrag auch zu Ende. Als dann eine Nachfrage kam, nämlich die, was „árabe“ denn sei, er habe das nicht ganz verstanden (von Ilai), kam es zu der Vorstufe des größten Wutausbruchs von Señor Enano bisher… Aber der Reihe nach.

Judith sollte anworten. Auf Spanisch. Sie fragte, ob sie es nicht auf Deutsch machen könne und Señor Enano meinte (auf Spanisch), dass sie es doch probieren sollte. Da kam dann, mit einer kurzen Pause, während der Judith auf ihre Karteikarten guckte, von ihr ein genervtes „Oah, Macker!“.

Señor Enano bezog das auf sich und regte sich ziemlich darüber auf. Judith entgegnete, dass sie es nicht gut fände, vor dem Kurs so heruntergemacht zu werden und dass Señor Enano ja nicht die ganze Zeit sagen müsste, wie schlecht sie sei (hat er eigentlich gar nicht, aber gut…). Dann antwortete sie auf Ilais Frage und das mit ziemlicher Unkenntnis und somit auch falschen Antworten. Unter anderem verwechselte sie erst Andorra mit Aragón und behauptete dann, dass in Aragón Arabisch gesprochen würde (natürlich wird da Spanisch gesprochen). Das verbesserte Señor Enano wieder, woraufhin Judith sich darüber aufregte und meinte, dass sie das ja nicht alleine gemacht hätte, dass sie das alles hätte gegenlesen lassen und so weiter. Dass das so im Internet stünde und sie es so herausgefunden habe…

Aber das alles war noch harmlos. Relativ.

Judith setzte sich hin (sie saß direkt hinter mir) und begann zu weinen.

Señor Enano meinte zu ihr, dass er es nicht in Ordnung fände, dass sie jetzt weine, weil er ja nur sachliche Kritik geäußert habe.

Jedenfalls ging dann die Stunde weiter und ich hörte die ganze Zeit das Schluchzen hinter mir. Ein ziemlich doofes Gefühl, muss ich sagen.

Ilvy hielt ihren Vortrag, las dabei aber etwas von ihren vorbereiteten Zetteln ab, was Señor Enano kritisierte und anregte, für das nächste Mal doch ein Plakat zu machen und sich dadurch die Redeanregungen zu holen.

Da meldete sich Judith zu Wort, sie hätte ja gestern Abend kein Plakat mehr kaufen können, weil sie ja mit ihrem Musikkurs weggewesen sei und erst um zwei Uhr nachts nach Hause gekommen sei und sich dann noch hingesetzt hätte, um ihr Referat zu machen. Eigentlich hätte sie das ja mit Powerpoint machen wollen und hätte Señor Enano deswegen auch gestern noch eine E-Mail geschickt…

Gestern. Gestern.

Dass wir Vorträge halten sollen, wissen wir seit einem Monat. Warum „musste“ sie das dann gestern machen?

Dann diskutierten Señor Enano und sie miteinander. Darüber, dass sie sich heruntergemacht fühle und ungerecht behandelt und dass sie eben ein Problem mit Spanisch habe. Dass sie es gemein fände, wenn er sie direkt auf ihre Fehler hinweist, das könnte man ja auch nach dem Vortrag machen. So etwas eben.

Señor Enano konterte damit, dass er meinte, sie könne das Referat gerne noch einmal mit der Powerpoint machen, das sei kein Problem. Und dass die Sätze, so wie Judith sie gebildet hatte eben keinen Sinn ergeben hätten. Und dass er ja nur bei den drei schwerwiegendsten Fehlern eingegriffen hätte und nicht bei den fünfundzwanizig anderen.

Das kam natürlich bei Judith extrem schlecht an und sie beschwerte sich, dass er sie vor der ganzen Klasse bloßstellen würde und sagen wolle, dass sie voll schlecht sei, worauf Señor Enano sie darauf hinwies, dass sie es doch gerade provoziere.

Sie meinte, sie wolle sich nicht mit ihm streiten, aber … Er sagte, dass sie es gerade tue.

Und dann irgendwann kam der Punkt, an dem sie etwas sagte und er anfing, etwas zu erwidern und sie ihm dann ins Wort fiel. Señor Enano rastete aus.

„Jetzt halt doch mal den Mund, Judith! Ich will jetzt kein Wort mehr von dir hören! RAUS! Geh nach Hause!“

Seine Hände zitterten extrem stark vor Wut, während er dies schrie. Judith setzte zu einer Erwiderung an, doch brachte nur ein paar Worte heraus, ehe Señor Enano reagierte.

„Raus! Und jetzt kein Wort mehr, sonst zieht das noch einen blauen, grünen oder gelben Zettel nach sich!“

Ein solcher Zettel ist eine Benachrichtigung an die Eltern. Drei davon und du riskierst einen Schulverweis oder zumindest eine Suspension vom Unterricht.

Jetzt setzte Judith dazu an, sich zu entschuldigen, doch Señor Enano hörte ihr nicht mehr zu.

„RAUS!“

Und Judith ging mit den Worten „Wie kann man nur so herzlos sein?!“ und knallte die Tür hinter sich zu. Wir hörten, wie sie draußen anfing, zu schluchzen. Es klang jämmerlich.

Señor Enano schien beinahe neben sich zu stehen. Er hielt uns übrigen Schülern noch kurz eine Predigt, dass er so etwas nicht dulden könne, auch wenn es mit noch so viel Weinen einherginge. Dann beendete er den Unterricht mit den Worten:

„Die Vorstellung für heute ist vorbei.“

Auf der Treppe im Eingangsbereich fanden wir Judith dann, völlig aufgelöst. Wir versuchten dann ein wenig, sie zu trösten, sie zur Vernunft zu bringen, denn das wäre ja alles nicht passiert, wenn sie nicht unbedingt so mit ihm hätte diskutieren wollen. Ilvy, Tahmid und Lena gingen zu Señor Enano, um mit ihm darüber zu sprechen, Federica, Solange und ich blieben bei Judith.

Ich glaube nicht, dass Señor Enano sehr nachtragend ist. Er meinte, es sei für ihn nun abgehakt und hat sogar das Angebot erneuert, dass Judith ihren Vortrag noch einmal mit Powerpoint halten dürfe. Das ist doch echt nett von ihm, oder?

Trotzdem… Die Situation war furchtbar…

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Kranke Menschen

Ich kam pünktlich zum Spanischunterricht. Das heißt, ich war fünf Minuten vor Stundenbeginn da. Der Raum war schon aufgeschlossen – ein Wunder! -, Tahmid und Ilai waren schon da – ein noch größeres Wunder! – und saßen im Raum drin. Die beiden sind außer mir die einzigen, die von unserer Schule noch dem Kurs angehören und eher sporadisch anwesend. Ilai kommt laut Aussage von Señor Enano mittlerweile auf über fünzig Prozent Fehlzeiten… und Tahmid ist kaum besser. Deswegen war ich doch mehr als erstaunt, dass die beiden da waren. Ilvy hatte ich draußen schon gesehen, von dem Rest fehlt jede Spur – vom Lehrer aber auch noch.

Zum Stundenbeginn sind Ilvy und Lena noch eingetroffen. Kurze Zeit später taucht auch Señor Enano mal auf. Die Anwesenheit wird kontrolliert („Ilai ist da – ausnahmsweise…“ – „Ich bin immer da!“ Ja nee, ist klar…) und Tahmid darauf hingewiesen, dass er noch einige Fehlstunden hätte. Die älteren könnte er aber sowieso nicht mehr entschuldigen, aber die letzte… sofern er die Entschuldigung heute vorlegen könnte.

Tahmid: „Die Entschuldigung hat mein Steuerberater!“
Señor Enano: „Ach, das ist nicht zufällig dein Vater, der Steuerberater ist?“
Tahmid: „Nein, nein. Der bewahrt sie in seinem Büro auf, ich muss die abholen.“
Ilai: „Du bist so doof, was hat denn ein Steuerberater mit deinen Entschuldigungen zu tun?“
Tahmid: „Ja, der kümmert sich halt so um meine Steuern und um meine Entschuldigungen.“

Ach so ist das also. Dann war die Entschuldigung „Ich konnte leider nicht am Unterricht teilnehmen, weil ich zu müde war.“ wohl auch von seinem Steuerberater entworfen… 😀
Ich verstehe solche Leute nicht. Wenn die sich schon ihre Entschuldigungen selber schreiben können, dann sollten sie das wenigstens nutzen. Wer will denn so viele unentschuldigte Fehlstunden im Zeugnis haben?!

Im Laufe dieses Gesprächs tröpfelten auch ein paar mehr Schüler in den Raum. Oder eher Schülerinnen, denn es handelte sich um Judith, Magdalena und Solange. Eine Viertelstunde nach Unterrichtsbeginn (*hust, hust*) trudelte dann auch Federica ein. Der Rest des Kurses beliebte nicht zu kommen… warum auch. Federicas begründete ihr Zuspätkommen übrigens folgendermaßen: „Entschuldigung, aber ich hab‘ mich an die Geschwindigkeitsbegrenzung gehalten!“

Kurz ging es dann um die Frage, ob wir denn im nächsten Schuljahr mal einen Vormittagstermin hätten, statt immer so spät am Nachmittag. Dass der Kurs in der anderen Schule stattfinden wird, ist schon einmal sicher (was mich nicht stört, die Schule ist näher an meinem Wohnort als meine eigene). Da dadurch allerdings Tahmid, Ilai und ich immer pendeln müssten (und das in unter zwanzig Minuten mit dem Rad nicht zu schaffen ist), ist das sehr, sehr unwahrscheinlich.

Dann gingen wir über zu normalem Unterricht (nach ungefähr 20 Minuten, damit lagen wir recht gut in der Zeit). Stundenthema: Wiederholung der Steigerung von Adjektiven. So weit, so gut.

Federica reichte Judith einen Brief. Das ist schon häufiger passiert und deswegen fragte ich nach, was es dmait auf sich habe.

Federica: „Ich bin der Postbote! … Nein, im Ernst (sie senkt die Stimme) Judith wohnt in der geheimen Zentrale unserer Terrororganisation. Damit sie nicht verfolgt werden kann, hat sie keine eigene Adresse und ich hole ihre Briefe.“

Habe ich schon erwähnt, dass ich schon so ein bisschen bescheuerte Menschen kenne? 😀

Das zeigte sich auch einige Minuten später, als Judith in die Runde fragte, ob nicht jemand einen Tintenkiller für sie hätte. Gleichzeitig fingen Ilvy und Federica an zu kramen und holten jeweils einen hervor.
„Nimm meinen!“ – „Nein, meinen musst du nehmen!“

Judith grinste und hielt die Hände hoch zum Fangen. Ein schwerer Fehler, denn Ilvy und Federica warfen beide – und das nicht gut. Knapp an Judiths Kopf vorbei und neben das Lehrerpult flogen die Tintenkiller.

„Boah ey, ihr seid kranke Menschen!“, rief Judith aus und stannd auf, um die beiden Stifte aufzuheben. Kaum hatte sie sich vorne danach gebückt – immer noch „Kranke Menschen“ murmelnd, zog Ilvy einen weiteren Tintenkiller hervor und warf abermals nach Judith. Diese stand gerade auf und wurde von dem Ding an der Schulter getroffen. Verwirrt sah sie ihn an.

„Hä und wem gehört der jetzt?“

Sie sah sehr verwirrt aus, die Gute… Ilvy lachte und meinte „Miiiiir – du musst meinen Tintenkiller benutzen!“

Federica natürlich sofort: „Neiiiiiiiin, meinen!!“

Schlussendlich benutzte Judith dann übrigens einen von Ilvys 😉

Und ja, das war mitten während des Unterrichtes 😉

Bei uns im Spanischunterricht ist es auch üblich, dass man einfach so aufstehen und rausgehen darf, um auf Toilette zu gehen(was schon einmal dazu führte, dass Magdalena und Achmed in der Aula auf der Bühne lagen und mit ihren Handys spielten…). Das nutzte Tahmid diesmal. Er blieb eine ganze Weile weg und als er schließlich wiederkam, fragte Señor Enano ihn, ob er denn gleich nebenbei noch drei Runden um die Schule gelaufen wäre. Ilai natürlich prompt: „In der Zeit würde der das gar nicht schaffen!“ und Tahmid winkte nur ab.

Zu dem Zeitpunkt sollten wir einige Aufgaben machen. Ilvy, Federica und ich waren schon längst fertig, Lena und Judith auch. Tahmid war gerade einmal bei dem ersten Satz… und dass, weil er die ganze Zeit mit Ilai sabbeln musste.

Señor Enano ballte spaßeshalber(oder doch nicht?) die Faust und meinte dann: „Pass bloß auf, das nächste Mal bringe ich meinen großen Bruder mit, der schlägt dich dann!“

 

Fazit: Mein Spanischkurs besteht aus echt komischen Leuten. Inklusive dem Lehrer…

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Gesprächsfetzen I – Spanisch

Szenen aus einem ganz normalen Schulalltag.

Beginnen wir mit Spanisch, einem steten Quell lustiger Dialoge.

1. „No sé.“ wird auf eine Frage des Lehrers geanwortet, was „Ich weiß nicht.“ bedeutet. Federica, die mal wieder nicht zugehört hat, schreckt auf und fragt nach (in ziemlicher Lautstärke… :D): „Nossa?!“

2. Wir kratzen unser spärliches Vokabular zusammen und beantworten Fragen, wie die, was „Banane“ heißt. Señor Enano beschreibt dann „Baguette“ (er hat es wirklich beschrieben. Wir hatten davor „pan“, das heißt „Brot“ und dann meinte er: „Ja, also, das was unsere französischen Nachbarn so gerne essen.“). Da keiner eine Ahnung hatte, wurde wild geraten. Einige blätterten schon in ihren Büchern oder tippten auf ihrem elektronischen Spielzeug herum, um es herauszufinden (oder rumzuspielen). Andere äußerten Vermutungen wie „baguetta“, „bagetto“ oder „bocadillo“ („Brötchen“). Señor Enano schreibt „b_ _ _ _ _ de pan“ an die Tafel.

„Bageta de pan!“, wird’s gerufen, natürlich falsch. Mittlerweile sind die Blätterer fündig geworden und meinen „barra de pan“.

Wer nachgezählt hat, wird gemerkt haben, dass bei meinen Strichen einer zu viel ist. So war’s auch bei Señor Enano.

„Da ist aber ein Strich zu viel.“, wird gemeckert. „Das können wir dann ja gar nicht wissen.“

Und Achmed in seiner üblichen Lautstärke: „Genau, da ist ein Strich zu mehr!“ 😀

3. Noch davor, allerdings auch bei den Lebensmitteln, fragte Señor Enano, „wie denn das Brot heißt“.

Die vollkommen überzeugte Antwort: „Bernd.“ 😀

 

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Neonfische und Ziegen

oder auch: Ganz normaler Spanischwahnsinn 😉

Nein, wir sind nicht im Zoo gelandet, auch wenn die Überschrift dies vermuten lässt.

Achmed soll einige spanische Sätze sagen, eine Wegbeschreibung soll’s werden. Erwartungsgemäß tut er sich recht schwer damit. So kommt’s, dass er das Verb „seguir“ einfach unkonjugiert mitten in den Satz packt. Ein Phänomenen, das unser Señor Enano sehr verwundert. Wir würden das doch im Deutschen und im Englischen auch nicht machen (natürlich außer wir Yoda sein 😉 ). Zumindest wurde Achmed von Señor Enano verbessert.

„Das heißt in diesem Fall sigues.“

„Ach so, ist klar. […] ZIEGE […].“

Das hat er ja toll verstanden 😉

Nach dieser Quälerei sollten wir dann Aufgaben schriftlich bearbeiten. Sätze übersetzen usw.

Hinter mir saß Federica und sie hatte eine neonleuchtende pinke Jacke an.

„Du leuchtest ja heute, Federica.“, meinte ich.

„Jaa, wie ein Neonfisch.“

Hier mischte sich Ilvy ein. „Es gibt doch gar keine Neonfische!“

„Natürlich gibt es die!“

„Nein, gibt es nicht!“

„Doch! Señor Enanoooo? Es gibt doch Neonfische, oder?“

Señor Enano schien nicht sehr begeistert über das biologische Interesse seines Kurses.

„Ihr sollt die Aufgabe machen!“

„Siehst du, es gibt keine Neonfische!“ Ilvy.

„Gibt es wohl!“

„Nein!“

„Doch!“

„Jetzt seid doch mal leise, mein Bruder hat so einen, die gibt es. Der leuchtet echt wie Federicas Jacke.“

Das ist Judith, die sich nicht konzentrieren kann, wenn neben ihr so diskutiert wird.

„Na gut, dann gibt es sie eben doch.“, meint Ilvy nun.

„Aber Neonfische sind blau!“, meint Federica nun.

„Nein, die sind pink, wie deine Jacke, hat Judith doch gerade gesagt!“

„Höchstens, wenn man sie mit einem Lachs kreuzt. Señor Enano, Neonfische sind doch blau, oder?“

„Du sollst deine Aufgaben machen!“

Ich melde mich zu Wort.

„Was heißt Neonfisch denn auf Spanisch?“

Federica springt drauf an.

„Genau, das ist total wichtig für meinen Text!“

Ich glaube, nach der Stunde hatte Señor Enano für’s Erste genug von Fischen jeglicher Art 😉

Judith meinte übrigens nach dem Unterricht: „Federica hat recht, die Viecher sind blau. Aber die leuchten halt so stark wie ihrer Jacke.“

Wieder was gelernt 😉

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Spanisch

Am Montag hatte ich wie immer in den letzten beiden Stunden Spanisch, am Mittwoch auch. Sehr, sehr schöner Stundenplan, ich weiß *hust*

Das liegt daran, dass Spanisch bei uns schulübergreifend unterrichtet wird. Das ist, weil meine Schule keine Spanischlehrer hat, wir aber die Wahlmöglichkeit haben sollen, welche Sprache wir lernen möchten. Luna lernt Latein, Timon Französisch, Luiza Russisch und ich eben Spanisch. Es gibt ziemlich viel Auswahl.

In meinem Spanischkurs sind Schüler von zwei Schulen, meiner eigenen und einer anderen. Diese andere Schule ist zwar viel näher an meinem Zuhause dran als die, auf die ich gehe, hat aber einen nicht so tollen Ruf. Ok… hat meine Schule auch nicht. Aber meine Spanischmitschüler werden diesem Ruf ihrer Schule zum größten Teil sehr gerecht.

Am Montag vor einer Woche war es wieder so extrem, dass unser Spanischlehrer Señor Enano uns im Laufe der ersten Stunde bereits alle nach Hause schicken und uns zwei unentschuldigte Fehlstunden verpassen wollte. Das wollte er bereits im letzten Schuljahr, allerdings ist er damit nicht durchgekommen beziehungsweise hat es nicht gemacht. Nach Hause schickte er uns damals aber. Was natürlich für diejenigen, die nicht stören und etwas lernen möchten, ziemlich blöd ist. Dieses Mal kam es jedoch nicht so weit, obwohl einige meiner Mitschüler sich schon ziemlich viel Mühe gaben, ihn auf die Palme zu bringen.

Da war zum Beispiel die Sache mit dem Lachgummi.

Wir haben/hatten einen Jungen, Umut, im Kurs, der eigentlich im Jahrgang über uns ist. Auf der anderen Schule, nicht auf meiner. Da er die Auflagen bezüglich zweiter Fremdsprache nicht erfüllte und das erst in diesem Schuljahr auffiel, wäre er eigentlich nicht zum Abitur zugelassen worden. Allerdings wurde ihm angeboten, er könne das nachholen, indem er sowohl meinen Spanischkurs als auch den des Jahrgangs über uns besuche. Das nahm er natürlich an und kam so zu acht Stunden Spanisch pro Woche, immer vier Stunden am Stück, zwei in unserem Kurs und zwei im anderen. So weit, so gut – oder vielmehr so schlecht, denn da er einen Unterkurs bekam, wurde ihm das Ablegen des Abiturs verwehrt.

Jedenfalls hatte Umut Lachgummi dabei und hat dieses dann zu Beginn unserer Stunde gegessen. Señor Enano wollte dies unterbinden und nahm es ihm weg. Er legte es auf einen Tisch, in Tahmids Reichweite… und der bediente sich auch gleich. Señor Enano, relativ verärgert darüber, legte die Lachgummis dann woanders hin – zack, bediente Achmed sich. Nun wurden die Lachgummis auf den Lehrertisch gelegt, direkt vor meine Nase, in Griffweite…

Dan, der neben mir saß, flüsterte mir zu, ich solle mir doch auch einen nehmen, er könne das ja nicht, aber ich, so als gute Schülerin…

Nein, ich habe mich nicht bedient 😉

Doch nun ging der Ärger mit dem Essen von neuem los, denn Umut hatte auch Orangen dabei („Wollen sie nicht auch, Señor Enano? Sind israelische Apfelsinen!“), die er dann zu schälen begann. Señor Enano, mittlerweile sehr, sehr, sehr aufgebracht, setzte ihn daraufhin um, weiter nach vorne. Seine Orangen durfte er nicht mitnehmen. Was machte Tahmid? Er schnappte sich die Orangen und legte sie auf den Tisch, an dem Umut sitzen sollte („Ich wollte ihm nur beim Tragen helfen!“)… Und schon lagen die Orangen auch auf dem Lehrertisch.

So kann man sich dann auch unsere Spanischstunden im allgemeinen vorstellen… Da werdet ihr auch noch einiges von zu lesen bekommen 😉

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