Vom Hinfallen (und Wiederaufstehen)

Vielleicht – nur vielleicht – fragt sich der ein oder andere gelegentlich, was eigentlich mit meinem Blog passiert ist. Warum es so still geworden ist, obwohl ich doch sonst immer viel zu sagen hatte.
Ich habe immer noch viel zu sagen, aber es ist persönlicher als sonst. Es tut mehr weh.
Natürlich gehören zum Leben auch immer Schattenseiten, es gibt Entscheidungen, die man besser nie getroffen hätte und manchmal passieren einem auch Dinge, die gänzlich außerhalb unseres Einflussbereiches liegen.
Ich weiß das alles. Trotzdem habe ich hier geschwiegen, weil ich mich geschämt habe.
Jetzt im Studium habe ich zum ersten Mal überhaupt erlebt, dass mir etwas schwer fiel. Ich war eins dieser Kinder, denen alles immer mehr oder weniger zugeflogen ist. Das hat dazu geführt, dass ich mich überschätzt habe (was natürlich nicht heißt, dass ich nicht immer noch der Meinung bin, dass ich die Welt ändern und (fast) alles schaffen kann, wenn ich es nur möchte!).
Die Frage, die ich mir nun schon häufig gestellt habe, lautet: „Warum habe ich mit genau diesem Studium angefangen?“
Ich will immer noch Lehrerin werden und ich bin auch immer noch der festen Überzeugung, dass ich Deutsch unterrichten muss – einfach, weil ich die Sprache, ihre Möglichkeiten und Facetten liebe. Ich möchte Kindern und Jugendlichen meine Begeisterung näherbringen. Ich möchte sie mit der Leidenschaft anstecken, die ich fürs Lesen empfinde. Ich möchte, dass sie tausende Abenteuer erleben können, alle mithilfe ihres eigenen Geistes.
Aber um das, was ich tun möchte, soll es hier überhaupt nicht gehen. Es soll darum gehen, was ich nicht tun möchte.
Ich möchte keine Mathematiklehrerin werden. Ich möchte nicht Mathe studieren.
Es macht mir keinen Spaß und vielleicht fehlt mir auch einfach die intellektuelle Begabung dafür. Ich mag Mathematik dennoch. Konstruktionen von geometrischen Figuren haben beispielsweise ihre ganz eigene Schönheit. Ich umgebe mich auch gerne mit Mathematikern, weil sie häufig eine sehr logische Art an sich haben.
Aber das Problem ist, dass ich Mathematik nicht aus dem Grund heraus gewählt habe, weil ich eine Begeisterung, ähnlich der, die ich Deutsch gegenüber empfinde, für dieses Fach mit meinen zukünftigen Schülern teilen wollte.
Ich wollte zeigen, dass ich intelligent bin. Ich wollte aus der Masse herausstechen, weil ich ein sprachliches Fach mit einem (mehr oder weniger) naturwissenschaftlichen verbinde. Ich wollte einzigartig sein.
Das sind aber die falschen Gründe, um sich für etwas zu entscheiden. Zumindest die falschen Gründe für mich. Das Studium der Mathematik hat mich nicht glücklich gemacht, im Gegenteil. Es machte mich unglücklich. Ich zweifelte an allem und vor allem an mir selbst.
Aus diesem Grund werde ich dieses Studium so nicht fortsetzen.
Ich werde Mathematik als Fach aufgeben und mich dem Bereich zuwenden, in dem meine Fähigkeiten und Begabungen und auch meine Begeisterungsfähigkeit größer sind. Das neue Fach wird vermutlich Geschichte werden. Ich habe stark zwischen Geschichte und Philosophie geschwankt. Beiden Disziplinen habe ich mein Herz geschenkt und ich denke, dass mich auch beide glücklicher machen würden, als es die Mathematik getan hat.
Ich habe in dem Dreivierteljahr, das ich nun studiere, mehr über mich gelernt, als ich gedacht hätte. Es ist beileibe nicht alles positiv, was ich neu an mir entdeckt habe, aber ich bin trotzdem froh über diese Erkenntnisse.
Jeder fällt mal hin und das ist keine Schande, solange man nicht liegenbleibt. Ich lag am Boden, durch Misserfolge ausgeknockt. Aber ich bin wieder aufgestanden. Es gehört Mut dazu, sich einen gemachten Fehler einzugestehen, denke ich. Und ich glaube daran, dass meine Entscheidung das einzig Richtige für mich ist.

So long.

Muffin

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12 Kommentare

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12 Antworten zu “Vom Hinfallen (und Wiederaufstehen)

  1. Sehr schön geschrieben 🙂 und viel Erfolg bei Geschichte!

    • Dankeschön – fürs Kompliment und für den Erfolgswunsch 🙂

      • Nichts zu danken 🙂 ich möchte ja Chemie und Deutsch machen, auch eine etwas ungewöhnliche Kombination… Aber Mathe soll auch sehr krass sein, ich finde es auf jeden Fall toll, wenn man den Mut hat, sich sowas auch einzugestehen und dann nochmal etwas anderes zu beginnen…

      • Ich wünsche dir von Herzen alles Gute für diese Fächerkombination. Deutsch kann ich wirklich nur wärmstens empfehlen, bei Chemie muss ich feststellen, dass mir bei spontanem Überlegen tatsächlich niemand einfällt, der das als Lehramtsfach studiert… ich sollte mal auf die Veranstaltungen des Chemie-FSRs gehen und welche kennenlernen 😀
        Ich hab‘ ehrlich lang an dieser Entscheidung geknabbert, meine Zweifel bezüglich Mathe hatte ich ja auch schonmal gebloggt… Aber jetzt, wo ich sie getroffen habe, bin ich unglaublich erleichtert und glücklich darüber (und ein netter Nebeneffekt: Ich habe plötzlich ganze drei Prüfungen weniger 😉 )

      • Das ist doch auf jeden Fall etwas Positives! 🙂
        Und es freut mich zu hören, dass Deutsch dir so gut gefällt. Ich habe nämlich sehr lange zwischen Deutsch und Pädagogik geschwankt und mich nun für ersteres entschieden, um später auch eine Klasse übernehmen zu können… Darf ich fragen, an welcher Uni du studierst? 🙂

      • Ah, diese Frage nach der Uni… Die möchte ich, ehrlich gesagt, lieber nicht (und vor allem auch nicht öffentlich) beantworten, einfach, weil hier in diesem Blog doch viel Persönliches drin steckt, vor allem aus dem letzten Abschnitt meiner Schulzeit und anhand meiner Universität könnte man mich doch recht schnell und einwandfrei identifizieren.
        Nur so viel: Pädagogik kann man an meiner Uni, soweit ich weiß, nicht als Fach studieren, also landen wir wohl nicht an derselben 😉

  2. orwellsmaid

    Sehr schön und mutig be-/geschrieben. Ich hoffe die Situation entwickelt sich mit Deinen neuen Entscheidungen zum besten für Dich und drücke alle Daumen.
    Ich hab bei Deinem Artikel gleich an einen anderen Blogeintrag gedacht, den ich mal gelesen habe und der thematisch Deinem ein wenig ähnelt. Du wirkst ja schon entschlossen in allem und ich freue mich für Dich, vielleicht helfen Dir und bestätigen Dich die Gedanken dieser Bloggerin ja trotzdem nochmal. Ich lass den Link mal hier. 🙂 http://verdachtsmoment.com/2012/11/03/ich-glaube-das-mit-uns-das-wird-nichts/

    • Das hoffe ich auch und ich denke, dass ich euch darüber auch wieder auf dem Laufenden halten werde 😉
      Danke auch für den Link – das ist tatsächlich meinen Empfindungen sehr ähnlich, ich habe nur deutlich länger gebraucht, um das zu realisieren beziehungsweise mir einzugestehen.
      Die richtige Entschlossenheit ist aber auch erst seit ein paar Tagen da, aber ich denke, dass sie dafür auch lange bleiben wird.

  3. Wenn Du noch schwankst zwischen Geschichte und Philosophie und Dir wichtig ist, andere begeistern zu können für Deine Inhalte, könnte ich mir vorstellen, dass dies mit Philosophie eher gelingt: das ist Denken (und im Bereich der Logik ja sogar auch noch mit Mathe-Bezug) in allen möglichen, teilweise recht frei wählbaren Kontexten – und für aufgeweckte Schüler_innen ein im Sinne ihrer Bildung wichtiges Fach. Geschichte hingegen wird meist eher als lästig angesehen; ich stelle mir auch vor, dass es ein undankbarer Job ist, wenig interessierten Schüler_innen in den wenigen zur Verfügung stehenden Stunden die Basics beibringen zu müssen …

    • Ich habe in beiden Fächern die Erfahrung gemacht, dass es einen recht großen Anteil an Schülern gibt, die sie als lästig empfinden.
      Philosophie reizt mich wirklich sehr, allerdings sind die Module für dieses Studium an meiner Universität recht statisch aufgebaut. In Geschichte sind sie etwas freier, was Zeitpunkt im Studienverlauf und Themenwahl betrifft. Das ist letztendlich das Zünglein an der Waage gewesen, was mir zu meiner Entscheidung verholfen hat.
      Aber natürlich ist die Philosophie einfach ein wundervolles Fach und ich habe den Philosophieunterricht auch selbst sehr genossen… trotzdem werde ich Geschichte als Ersatzfach für Mathe wählen.

  4. Es bringt nichts, sich durch etwas zu quälen und nur mit halbem oder gar keinem Herzen dabei zu sein. Das macht kein Spaß, wirkt sich auf die Stimmung und die Psyche aus und beeinflusst vielleicht auch deine Leistung und Freude in Deutsch.
    Du hast in meinen Augen also die richtige Entscheidung getroffen. 🙂
    Und ich finde es auch gut, dass du für dich selbst erkannt hast, dass es nichts bringt, dir nicht gut tut und du etwas ändern musstest. Den Mut hat schließlich nicht jeder.
    Ein Freund von mir quält sich durch VWL, obwohl er eigentlich gar nicht so mathematisch begabt und interessiert ist und im Grunde etwas komplett anderes machen möchte. Aber er studiert das Fach wegen seinem Vater und weil der Bruder das gleiche studiert. Das finde ich sehr schade, weil es auf indirekter Weise auch Zeitverschwendung ist.
    Lieber etwas mit Spaß und Freude studieren, ganz gleich ob man dafür Umwege oder andere Dinge in Kauf nehmen muss.
    Irgendwann wirst du dir selbst für die Entscheidung dankbar sein. 🙂

  5. Rolly

    Liebe Mufffin,

    Als Mathematiker kann ich dir tatsächlich nur empfehlen: Wenn du keinen Bezug zu Mathe hast, lass es! Du wirst 1. bereits das Studium nicht schaffen. Ich kannte einige Lehramtsstudis, die saßen bis zum Vordiplom mit mir in den Vorlesungen. Der Stoff IST schwer und wenn es keinen Spaß macht funktioniert es nicht. Weiterhin, wie willst du 2. später Schüler für etwas begeistern das dir keinen Spaß macht? Die meisten Schüler haben sowieso keinen Bock auf Mathe, wenn dann noch jemand vorne steht die (vielleicht nicht in Worten, aber In der Haltung) sagt „wisst ihr was, ich hab auch keine Lust“, das funktioniert doch nie.
    Ich stand zum Ende des zweiten Semesters vor einer ähnlichen Entscheidung. Ich habe mit Informatik angefangen und schnell festgestellt, dass mir dieses Studium zu „technisch“ und zu wenig grundlagenbezogen ist. Ich mußte daher meinem Vater erklären, dass ich von Informatik mit damals herrlichen Berufsaussichten zur für ihn völlig nebulösen Mathematik (willst du etwa Lehrer werden?) wechseln möchte. Wenigstens hatte ich nie das Problem dass er das Studium grundlegend angezweifelt hat.
    Ich wünsche dir viel Durchhaltevermögen, du wirst sicher eine tolle Lehrerin.

    viele Grüße, Christian

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