Monatsarchiv: Juli 2015

Von Eltern.

Viele Eltern wollen, dass ihre Kinder studieren. Sie sorgen dafür, dass die Kinder aufs Gymnasium gehen und notfalls bezahlen sie auch Unmengen an Nachhilfestunden, nur damit es mit dem Traum von der Uni klappt. Häufig sind das projizierte Träume (wie „Ich wollte das und das werden, aber habe es nicht geschafft.“) oder einfach Träume, die aus dem Wunsch rühren, mit seinem Kind angeben zu können (wie „Ja, mein Sohn, der wird jetzt Arzt!“).
Manche Eltern wünschen sich ein prestigeträchtiges Fach, manchen ist es egal, solange es zum akademischen Abschluss kommt.
Und manche Eltern finden, dass das Studium eine Zeitverschwendung ist. Sie erzählen ihren Kindern, die erzählen wollen, was sie gerade so an Modulen belegen oder für welche Klausuren sie lernen müssen, dass das ja alles Unsinn und Zeitverschwendung sei. Diese Eltern sind keine „Freunde vom Studieren“.
Wie soll man damit umgehen?
Das Kind bekommt so manchmal den Eindruck, dass es besser irgendeine Ausbildung gemacht hätte, zur Frisörin, zum Tischler, zur Verkäuferin. Irgendetwas Handfestes.
Es bekommt ein schlechtes Gewissen, weil es den Eltern auf der Tasche liegt, auch wenn es aktuell nur Bafög und Kindergeld bekommt. Ein schlechtes Gewissen, weil es ja nichts Sinnvolles tut, sondern nur faulenzt und es sich gutgehen lässt, weil es den einfachen Weg gewählt hat (Studieren ist ja total lasch, man hat für Prüfungen ja z.B. drei Versuche).
Wenn das Kind dann auch noch im Studium versagt, traut es sich kaum, mit seinen Eltern darüber zu reden. Wenn es sich dann endlich für einen Fachwechsel entscheidet und das kommuniziert, dann will es nicht eine Antwort bekommen, die ausdrückt, wie egal es einem Elternteil eigentlich ist, weil das Ganze ja irgendwie die gleiche Zeitverschwendung ist.
Es tut weh.

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Vom Hinfallen (und Wiederaufstehen)

Vielleicht – nur vielleicht – fragt sich der ein oder andere gelegentlich, was eigentlich mit meinem Blog passiert ist. Warum es so still geworden ist, obwohl ich doch sonst immer viel zu sagen hatte.
Ich habe immer noch viel zu sagen, aber es ist persönlicher als sonst. Es tut mehr weh.
Natürlich gehören zum Leben auch immer Schattenseiten, es gibt Entscheidungen, die man besser nie getroffen hätte und manchmal passieren einem auch Dinge, die gänzlich außerhalb unseres Einflussbereiches liegen.
Ich weiß das alles. Trotzdem habe ich hier geschwiegen, weil ich mich geschämt habe.
Jetzt im Studium habe ich zum ersten Mal überhaupt erlebt, dass mir etwas schwer fiel. Ich war eins dieser Kinder, denen alles immer mehr oder weniger zugeflogen ist. Das hat dazu geführt, dass ich mich überschätzt habe (was natürlich nicht heißt, dass ich nicht immer noch der Meinung bin, dass ich die Welt ändern und (fast) alles schaffen kann, wenn ich es nur möchte!).
Die Frage, die ich mir nun schon häufig gestellt habe, lautet: „Warum habe ich mit genau diesem Studium angefangen?“
Ich will immer noch Lehrerin werden und ich bin auch immer noch der festen Überzeugung, dass ich Deutsch unterrichten muss – einfach, weil ich die Sprache, ihre Möglichkeiten und Facetten liebe. Ich möchte Kindern und Jugendlichen meine Begeisterung näherbringen. Ich möchte sie mit der Leidenschaft anstecken, die ich fürs Lesen empfinde. Ich möchte, dass sie tausende Abenteuer erleben können, alle mithilfe ihres eigenen Geistes.
Aber um das, was ich tun möchte, soll es hier überhaupt nicht gehen. Es soll darum gehen, was ich nicht tun möchte.
Ich möchte keine Mathematiklehrerin werden. Ich möchte nicht Mathe studieren.
Es macht mir keinen Spaß und vielleicht fehlt mir auch einfach die intellektuelle Begabung dafür. Ich mag Mathematik dennoch. Konstruktionen von geometrischen Figuren haben beispielsweise ihre ganz eigene Schönheit. Ich umgebe mich auch gerne mit Mathematikern, weil sie häufig eine sehr logische Art an sich haben.
Aber das Problem ist, dass ich Mathematik nicht aus dem Grund heraus gewählt habe, weil ich eine Begeisterung, ähnlich der, die ich Deutsch gegenüber empfinde, für dieses Fach mit meinen zukünftigen Schülern teilen wollte.
Ich wollte zeigen, dass ich intelligent bin. Ich wollte aus der Masse herausstechen, weil ich ein sprachliches Fach mit einem (mehr oder weniger) naturwissenschaftlichen verbinde. Ich wollte einzigartig sein.
Das sind aber die falschen Gründe, um sich für etwas zu entscheiden. Zumindest die falschen Gründe für mich. Das Studium der Mathematik hat mich nicht glücklich gemacht, im Gegenteil. Es machte mich unglücklich. Ich zweifelte an allem und vor allem an mir selbst.
Aus diesem Grund werde ich dieses Studium so nicht fortsetzen.
Ich werde Mathematik als Fach aufgeben und mich dem Bereich zuwenden, in dem meine Fähigkeiten und Begabungen und auch meine Begeisterungsfähigkeit größer sind. Das neue Fach wird vermutlich Geschichte werden. Ich habe stark zwischen Geschichte und Philosophie geschwankt. Beiden Disziplinen habe ich mein Herz geschenkt und ich denke, dass mich auch beide glücklicher machen würden, als es die Mathematik getan hat.
Ich habe in dem Dreivierteljahr, das ich nun studiere, mehr über mich gelernt, als ich gedacht hätte. Es ist beileibe nicht alles positiv, was ich neu an mir entdeckt habe, aber ich bin trotzdem froh über diese Erkenntnisse.
Jeder fällt mal hin und das ist keine Schande, solange man nicht liegenbleibt. Ich lag am Boden, durch Misserfolge ausgeknockt. Aber ich bin wieder aufgestanden. Es gehört Mut dazu, sich einen gemachten Fehler einzugestehen, denke ich. Und ich glaube daran, dass meine Entscheidung das einzig Richtige für mich ist.

So long.

Muffin

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