Liebe Mathematik

Liebe Mathematik,

Was ist denn los mit uns beiden? Wir haben uns doch immer so gut verstanden, uns gegenseitig unterstützt. Natürlich gab es gute und nicht so gute Zeiten. Ich habe dich auch stiefmütterlich behandelt, ich weiß, ich weiß. Ich habe andere Disziplinen vorgezogen, habe dich beiseite gelassen.
Zahlst du mir dies nun zurück?
Vielleicht liegt es an der ungewohnten Umgebung, vielleicht auch daran, dass wir uns während meines FSJ auseinander gelebt haben. Aber ich studiere dich nunmal – ich weiß, dass es dir gefällt, wenn man sich mit dir beschäftigt. Wieso machst du es dann meinen Mitstudenten und mir so schwer?

Vielleicht liegt es am Professor. Er ist so in dich vertieft und verliebt, wie man nur sein kann. Vielleicht will er dich – ganz eifersüchtiger Liebhaber – ganz für sich alleine haben? Dich nicht mit jungen Menschen teilen müssen? Oder höchstens mit wenigen Erwählten?
Sag mir, liebe Mathematik, hörst du das wirklich gerne, dass du trivial seist, offensichtlich, ganz einfach zu verstehen?
Oder ist das eine Geheimsprache zwischen dem Professor und seinen Auserwählten (jenen Studenten, die sich nicht nur mit der Schönheit der Linearen Algebra beschäftigen, sondern sich auch dem Studium der Analysis verschrieben haben vielleicht?)?

Ich bin ja auch nicht die Einzige, die unzufrieden ist mit dir. Vielleicht hast du ja gerade einen kleinen Durchhänger. Eine beginnende Winterdepression, sowas soll in den besten Familien vorkommen. Das ist nicht schlimm, wir verstehen das (im Gegensatz zu dem, was unser Professor von dir an die Tafel schreibt), wir sind ja auch nur Menschen! Dann wäre es aber wunderbar lieb, wenn du dich ein bisschen zusammenreißen könntest…

Wenn das nämlich so weitergeht, liebe Mathematik, sehe ich den Tag nahen, an dem sich unsere Wege trennen werden…

Deine Muffin

Ich mag Mathe eigentlich. Ich verstehe Mathe eigentlich. Mir fällt Mathe eigentlich leicht.
Zumindest war das mal so. Ziemlich genau bis ich mit dem Studium anfing. Wir haben zwei Mathematikmodule, das eine ist super, tolle Beispiele, gut erklärt. Und das andere… Naja, das ist ziemlich bescheiden und leider Gottes dasjenige mit dem größeren Stundenanteil…
Ich würde behaupten, dass es nicht zuletzt an dem Professor liegt. Er vermittelt es einfach nicht verständlich. Ab und zu verstehe ich, was er von mir will – den Rest der Zeit habe ich nicht einmal Zeit, darüber nachzudenken, was ich da eigentlich von den Tafeln abschreibe.
Dazu müssen wir wöchentlich Hausaufgaben abgeben und dort mindestens 50% richtig haben, um am Ende des Semesters zur Klausur zugelassen zu werden. Ich weiß nicht, ob ich das schaffe. Ich zweifle an mir selbst und meiner Fächerwahl. An meiner Eignung.
Ich weiß nicht, wie es weitergeht mit der Mathematik und mir. Ich habe mir nun ein Mathebuch besorgt („Lineare Algebra“ von Beutelspacher), vielleicht gelingt es mir damit, etwas Lich in das Dunkel zu bringen, das die Vorlesungen regelmäßig bei mir hinterlassen.
Hoffentlich…

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19 Kommentare

Eingeordnet unter Muffins Studienzeit

19 Antworten zu “Liebe Mathematik

  1. michael

    Das ging uns auch so. Der Übergang war etwas hart, und man brauchte einigen Biss, um das zu überstehen. Die Artikel zur Mathematik auf wikipedia (deutsche und englische Variante) sind mit ihren Verweisen (auch auf online Vorlesungen ) oft hilfreich.

    Ansonsten hilft vielleicht das.

    • Danke für den Link. Du hast Recht, ich muss mein Lernen besser strukturieren. Das ist bei mir einfach noch nicht so drin, weil ich das nie gebraucht habe. Es fiel mir halt alles relativ leicht. Auf Wikipedia habe ich bereits ein paar Mal geschaut, aber ich wusste nicht so recht einzuschätzen, wie „hochwertig“ das ist. Aber wenn du es empfiehlst, beruhigt sich mein kleiner Sorgenkobold, der mir ins Ohr geflüstert hat, dass da ja jeder was reinschreiben könne, zumindest ein bisschen.

  2. Jetzt melde ich mich als stiller Leser auch mal zu Wort.
    Das ging mir zu Beginn meines Studiums genauso. Die Zeilen könnten so auch von mir stammen (und die Beschreibung könnte auch auf meine Professoren zutreffen, wobei das in Mathe glaube ich echt normal ist, dass die nicht alle so super erklären können..). Aber irgendwann hat es scheinbar „Klick“ gemacht und es lief alles viel einfacher. Die 50% zum Mitschreiben der Klausur gabs bei uns auch, und ich muss sagen: durchaus sinnvoll. Weil auch so sind bei uns noch genügend Studenten durch Analysis gefallen (inklusive mir 😉 )
    Also nicht den Kopf hängen lassen, es wird besser nach einer Weile

    • Wenn stille Leser sich zu Wort melden, freut mich das immer ganz besonders – schön, dass du meinen Blog liest 🙂
      Ich glaube auch, dass die 50% sinnvoll sind, weil sie einfach einen Anreiz dazu geben, sich mit den Themen zu beschäftigen, auch wenn man sie gar nicht verstanden hat.
      Ansonsten: Durchfallen ist ja auch nicht das Ende der Welt…
      Aber natürlich hoffe ich auch, dass sich das nach einer Weile bessert.

  3. Thomas

    Hi Muffin,
    das ist normal, dass das anfangs nervig ist und du nichts verstehst. Davon darfst du dich nur nicht kleinkriegen lassen. Hab im ersten Semester ähnlich gedacht wie du. Ich wollte am Anfang auch aufhören und war am zweifeln, weil ich zuerst nicht mit der Mathematik zurechtkam, aber das gibt sich. Du brauchst nur die richtigen Leute, mit denen zu zusammenarbeitest, die auch das selbe Ziel haben wie du. Beschäftigt euch gemeinsam mit den Inhalten, macht zusammen die Übungen und geht zusammen die Vorlesung durch. Das hilft.
    Hier sind auch noch ein paar Bücher, die mir sehr geholfen haben, besonders am Anfang:
    Otto Forster – Analysis 1
    Gerd Fischer – Lineare Algebra (+Übungsbuch)
    Peter Furlan – Das gelbe Rechenbuch Band 1-3

    • Vielen, vielen Dank für die Literaturtipps – da nehme ich momentan, was ich kriegen kann. Irgendwie muss ich das doch verstehen können!
      Wir sind gerade dabei, eine Lerngruppe zu organisieren, das könnte mir schon einmal helfen. Leider wohnt die Kommilitonin, mit der ich am meisten Zeit verbringe eineinhalb Stunden Fahrt entfernt und muss pendeln. Da ist das mit dem Zusammenarbeiten nicht so einfach, auch wenn wir das über WhatsApp versuchen. Persönlich ist es einfach nochmal etwas anderes.
      Eigentlich wäre mir auch nach Hinschmeißen, aber ich bin ein kleiner Trotzkopf – wenn etwas nicht so funktioniert wie ich will oder wenn mir jemand sagt, dass etwas unmöglich ist, dann versuche ich es erst recht.
      So leicht wird die Mathematik mich nicht los 😉

      • Thomas

        Bitte, keine Ursache. Das klappt schon alles. Die Mathematik muss bezwungen werden, aber das geht 😀 Wenn du deine erste Klausur bestanden hast, dann fühlst du dich so gut, dass du gar nicht mehr aufhören willst. Also einfach weiter und nicht locker lassen.

      • Wir haben meist an der Uni gearbeitet, allerdings hatten wir meist mindestens die Mittagspause frei. Ich bin damals nämlich auch noch gependelt (Weg zur Uni: mind. 1 h, eher 1,5 h)… oder wir haben halt am Spätnachmittag noch was gemacht. Aber manchmal war ich auch am Wochenende oder Feiertag da, musste ich halt hinfahren.

    • Ich fand ja Forster (und auch Heuser) und Fischer ehrlich gesagt nicht sooo hilfreich. Also schon ganz ok, aber mehr nicht. Die gelben Rechtenhefte kenne ich nicht, habe aber von Kommilitonen gehört, dass sie sie benutzen und gut finden.

  4. Völlig normal, wie die anderen auch schon geschrieben haben 😛
    Gib der Mathematik noch eine Chance, oft braucht man 1-2 Semester, um da reinzukommen. Ich kenne viele, die meinten, dass sie beim Lernen für die Zwischenprüfungen angefangen hätten, wirklich was zu verstehen. Und Zwischenprüfungen waren zwischen 2. und 4. Semester…
    wikipedia ist oft hilfreich, ansonsten war meine Rettung zeitweise das matheboard – sehr hilfreich. Teilweise hatten andere schon eine ähnliche Frage gestellt, ansonsten habe ich selbst gefragt und fast immer gute Tips bekommen.
    Klar sollte man sich aber auch nicht quälen, von daher würde ich versuchen, mindestens 1 Semester oder besser 2 durchzuhalten – aber wenn es danach nicht besser wird, auch ehrlich sagen „das war nix, ich mach ein anderes Fach“.
    Allerdings hast du mit 36 SWS mMn wirklich viel zu viele SWS für eine Mathestudentin, aber dazu habe ich ja beim anderen Artikel was geschrieben…

    • Ich werde auch mindestens zwei Semester durchhalten. Das habe ich mir fest vorgenommen. Danach werde ich schauen, ob das etwas ist, was ich wirklich machen möchte, ob Mathe mich immer noch begeistern kann, ob ich nicht eher durch Mathematik frustriert werde (und natürlich, ob ich nicht vielleicht durch die Prüfung in Linearer Algebra durchgefallen bin…). Wenn nicht, dann habe ich halt Pech gehabt. Dann bin ich wenigstens um eine Erfahrung reicher…
      Zu den SWS… Ja, ich weiß… :/

      • Ich habe mir damals immer gesagt „Studium durchhalten, danach brauche ich den Mist nie wieder“, weil ich ja Lehramt studiert habe.
        Und die Devise finde ich für Lehrämtler auch immer noch passend, auch wenn ich inzwischen doch keins mehr mache ;-).

        Lineare Algebra war mir auch irgendwie suspekt. Ich hatte in LinA 1 eine 2, in LinA2 eine 3 und in Algebra 3 eine 4. Ich war sehr froh, dass bei dieser Tendenz nur die ersten 3 Semester Pflicht waren^^ und habe seit dem einen grooooooooooßen Bogen um Algebra & Co gemacht.
        Unser Prof in Analysis war klasse, nur der Mensch, der die Übungen machte, nicht wirklich. In LinA war der Prof so lala (entsprach absolut dem Klischee vom „zerstreuten Professor“, der nur noch bedingt in der Realität lebt), dafür der Übungsblattmensch super. Aber ich bin auch einfach eher Fan der angewandten Mathematik…

      • Diese Devise ist auch so ziemlich das, was unter uns Lehramtsstudenten kursiert. Bloß durchkommen, Note ist egal. Eigentlich auch nicht so das Wahre.
        Analysis habe ich erst im dritten Semester, der Prof. hätte aber gerne, dass wir uns da jetzt schon selbstständig einarbeiten.
        Wenn es nicht alles so vollkommen abstrakt wäre, wäre mir ja schon geholfen, ehrlich gesagt…

      • Bei uns hieß es immer „4 gewinnt“ – aber unsere Noten haben ja eh nicht gezählt…
        Was hast du denn in Mathe für Veranstaltungen? Doch nicht nur LinA? (Ana und LinA sind doch eigentlich DIE klassischen Erstsemester-Vorlesungen)

      • Analysis habe ich, wie gesagt, erst im 3. Semester. Dafür habe ich neben der Linearen Algebra (4 SWS Vorlesung + 2 SWS Übung) noch Geometrie mit Computertechnik (bis jetzt haben wir zwar noch nichts mit dem Computer gemacht, aber das wird vielleicht noch 😉 ). Das ist natürlich nicht der ganz korrekte Name, aber gibt schon ganz gut das wieder, was wir da machen sollen.
        Die Bachelor-Mathematiker haben jetzt auch Analysis und Lineare Algebra. Wir halt nicht.

      • Was muss man sich unter Geometrie mit Computer denn vorstellen? Ist das eher was praxisbezogenes oder auch theoretisch?
        Wenn ihr kein Ana habt, die BA-Leute aber schon, ist natürlich verständlich, dass der Prof das gerne hätte, dass ihr euch selbst einarbeitet. Nur ist der Wunsch halt nicht wirklich realistisch…
        Aber der Satz, den ich auch geliebt habe, war „das hatten Sie ja schon in Vorlesung xyz“. Ja, nur leider hatten wir Lehrämtler Veranstaltung xyz eben später oder auch gar nicht… in Mathe waren sie rücksichtsvoll, in Bio hatten wir bei so einigen Profs das Gefühl, dass die paar Lehrämtler eher ein notwendiges Übel waren :-/

      • Bisher ist Geometrie sehr theoretisch. Es soll wohl noch dazu Arbeiten am Computer mit einem bestimmten Programm geben, so weit sind wir allerdings noch nicht. Da kann ich also noch nicht so viel zu sagen.

      • Ich würde mich auf jeden Fall freuen, wenn du irgendwann mal mehr drüber erzählst – das würde mich echt interessieren. Geometrie hatte ich nämlich nie im Studium…

      • Das ist eine Extraveranstaltung für uns Lehramtsstudenten 🙂
        In der letzten Übung mussten dann gleich Leute nach vorne an die Tafel: „Das müssen Sie ja eh alle früher oder später machen.“

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