Vom Besichtigen Teil 4

Auch das Dachgeschoss ist still und dunkel. Wir betreten einen breiten Flur, den Blick an den Ziffern neben den Türen. Schließlich sind diese der einzige Anhaltspunkt, den wir haben. Etwas anderes ist hier nicht individuell.
Ein gutes Stück den Flur herunter entdecken wir etwas Ungewöhnliches. Ein rechteckiges Stück des Bodens ist erhellt. Kurz darauf entdecken wir auch die Quelle des Scheins: Eine offenstehende Wohnungstür.
Ein Blick auf die Nummer bestätigt uns, dass es sich um die gesuchte Wohnung handelt.
Es riecht nach Farbe.
Der Höflichkeit halber klopfe ich an den Türrahmen.
Ein junger Mann taucht auf und lächelt uns an. Er trägt ein Flunkyball-T-Shirt.
Wir besichtigen die Wohnung, die schon beinahe leer ist (nur das Bett steht noch mitten im Raum, darauf ein XXL-Pizzakarton). Sie ist gar nicht so schlecht – allerdings auch frisch gestrichen. Bevor wir uns das Bad anschauen können, lächelt der bisherige Mieter uns entschuldigend an und meint, dass er mal eben sein Fahrrad da herausholen müsste. Gesagt, getan.
Das Rad scheint recht hochwertig zu sein und ich frage – halb im Ernst und halb aus Spaß -, ob es denn immer dort drin steht. Nein, das stünde dort nur ausnahmsweise, normalerweise hinge es an der Wand.
Kurz stelle ich mir vor, wie ich mein Hollandrad an meine Wand hänge, nachdem ich es zuvor die sechs Treppen nach oben bugsiert habe. Keine schöne Idee.
Er fährt fort, dass es zwar auch einen Fahrradkeller gäbe, er diesen allerdings nie benutzen würde, es sei denn, man hätte ein schrottreifes Fahrrad.
Vertrauenserweckend.
Unten seien übrigens auch die Waschmöglichkeiten.
Wieder eine Vorstellung von mir – Waschmaschinen ganz unten im Keller, ich habe gerade meine frischgewaschene Wäsche herausgeholt, in einen Korb verfrachtet und laufe damit dann die Treppen hoch, in der Hoffnung, dass mich niemand sieht, weil irgendwer ein rotes T-Shirt in der Maschine vergessen hat, das nun meinen weißen Karateanzug rosa gefärbt hat.
Wir plaudern noch ein wenig, stellen fest, dass der Bruder des Vormieters in meiner Heimatstadt wohnt (die Welt ist klein!) und verabschieden uns dann.
Als wir wieder draußen stehen, bin ich erleichtert. Ein Blick ins Gesicht meiner Mutter sagt mir, dass sie dasselbe fühlt – ein Glück, dass wir noch andere Besichtigungen haben!

Unser erster Besichtigungstag ist vorbei, wir sind nur noch zurück ins Hotel gefahren, in der Hoffnung, dass wir am nächsten Tag nicht noch so etwas besichtigen würden.

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