La Luna

Für unser Abibuch sollten Texte geschrieben werden. Über andere natürlich. Zum einen, weil man sich selbst schwer beschreiben kann und zum anderen, weil es so eine viel schönere Erinnerung ist. An diejenigen, die diesen Text geschrieben haben.
Ich habe an einigen Texten mitgewirkt. An dem für Ariadne, an dem für Teresa. Einen Text hab ich allein geschrieben. Ihr werdet es schon ahnen, über wen. Über Luna natürlich.
Es fiel mir schwer, mich an die Wörterbegrenzung zu halten, ebenso wie es mir schwerfiel, nicht zu viel zu verraten.
Den Text, der schließlich dabei herauskam und mit dem ich eigentlich ganz zufrieden bin, kann ich euch hier ja nicht zeigen. Aber ich kann einen anderen Text schreiben…
La Luna, der Mond. Es fiel mir nicht schwer, für dich hier einen Namen zu finden. Wobei ich gar nicht an den Himmelskörper dachte, sondern an die Katze Luna aus der Sailor Moon-Serie. Was nicht gleichbedeutend damit ist, dass ich ein bissl blöd bin und du immer oberschlaue Kommentare abgibst!
Du bist unglaublich stur und dickschädelig, aber da stehen wir uns nun wirklich in nichts nach. Manchmal ist das echt furchtbar, weil keiner von uns beiden nachgeben will, aber irgendwie bekommen wir das dann doch immer hin.
Wir kennen uns seit der fünften Klasse. Das sind mittlerweile ganze acht Jahre – wenn man bedenkt, dass wir grad mal siebzehn und achtzehn sind, ist das schon eine ganze Weile.
In der Mittelstufe sollten wir einmal darüber schreiben, wie wir uns unseren Lebensverlauf vorstellen. Dreißig Jahre später, das war die Zeitvorgabe. Du schriebst über deine medizinische Karriere, dass deine Tochter multiple Sklerose hätte und ihr sie davon heilen konntet. Ich fand das total merkwürdig – von der Krankheit hatte ich bis dato noch nie etwas gehört. Aber es charakterisiert dich gut. Du warst immer eine derjenigen, die ihren Weg klar vor sich sahen – das habe ich an dir bewundert.
Wirklich gute Freunde sind wir erst in der Oberstufe geworden, vorher waren wir uns gar nicht mal so nahe. Aber dieses Phänomenen ist bei uns nicht so ausgeprägt wie bei Ari und mir… von Hassen zu Lieben quasi.
Im ersten Jahr der Oberstufe waren wir wie Kaugummi, einfach nicht auseinander zu kriegen, so sehr haben wir aneinander geklebt. Und das, obwohl du der irrigen Auffassung warst, dass der Matheleistungskurs besser für dich sei als Englisch! (Na gut, bei Frau Rank… Aber lassen wir das.)
Getrennt waren wir in den Wochen, in denen du auf Kur warst. Ich hab‘ dich vermisst und dir reichlich sinnfreie E-mails geschrieben (die sind es aber echt wert, nochmal gelesen zu werden, wie ich festgestellt hab ;D).
Gegen Ende, als es dann ernst wurde mit den zweiten Leistungskursen haben wir stets versucht, uns gegenseitig davon zu überzeugen, dass Deutsch beziehungsweise Bio viel, viel toller sei als das jeweils andere Fach.
Wir haben es nicht geschafft und sind daraufhin getrennte Wege gegangen, du im Bio- und ich im DeutschLK. Es war eine gute Entscheidung, die wir da getroffen haben.
Fortan hatten wir nicht mehr fast jedes Fach zusammen. Das haben wir durch die Pausen kompensiert, in denen wir vor dem Lehrerzimmer auf der Bank rumhingen, Tatsachen feststellten und Informationen aufschnappten.
Ich konnte mich immer auf dich verlassen, du merktest dir die Dinge, die ich mir nicht merkte und so ergänzten wir uns wunderbar. Wir verstanden uns ganz ohne oder mit nur wenigen Worten und jede wusste, was die andere gerade dachte. Wenn wir uns gestritten haben – und das kam vor – herrschte Eiszeit. Diese Streitigkeiten konnten wir aber immer beilegen – nur manchmal nicht rechtzeitig genug, was bei unserer Projektarbeit unsere sonst so erfolgsversprechende Zusammenarbeit verhinderte. Ein böser Fehler.
Ich habe es gehasst, wenn du nicht in der Schule warst, was glücklicherweise selten vorkam.
Ich fand die Freitagnachmittage, in denen wir noch stundenlang quatschend vor der Schule standen, total schön.
Ich denke, dass du wirklich intelligent und talentiert bist. Viel mehr als ich.
Ich finde Handball immer noch total blöd und brutal.
Ich mache mir manchmal Sorgen um dich.
Ich werde dich vermissen, wenn du weggehst.
Ich vertraue dir.
Ich muss sagen, ich weiß nicht, warum du es mit mir aushältst, ich kann manchmal ja sooo nervtötend sein.
Ich weiß, dass du deinen Weg gehen wirst. Du wirst eine wunderbare Ärztin sein. Aber ich möchte immer noch ein Teil deines Lebens sein, selbst wenn uns viele Kilometer trennen. Ich möchte dich immer noch überzeugen, dass wir in einer Stadt studieren. Ich will dich nicht verlieren.

 

Ich hab‘ dich lieb, Luna. Und den letzten Keks würde ich immer mit dir teilen, mein Cupcakecookiemonster.

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5 Kommentare

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5 Antworten zu “La Luna

  1. Ihr zwei werdet in 50 Jahren auch noch befreundet sein, so wie ich mit meinem Freund oder meiner Frau oder mit unserer Freundin Margit. Wir sind seit der 5. Klasse zusammen. Und immer noch.
    Das ist schön und gibt ganz viel Sicherheit mit den Jahren.

  2. Wunderbar geschrieben!

    Und was Jürgen sagt, kann ich bestätigen; wenn auch nicht mit der Erfahrung von 50 Jahren. 😉 Meine beste Freundin und ich haben uns in der 6. Klasse angefreundet, als wir beide neu zugezogen waren und zusammen am ersten Tag in der neuen Klasse bibbernd vorne standen, und wir sind es heute, 27 Jahre später, immer noch.

  3. Was für eine schöne Liebeserklärung an die beste Freundin! Richtig anrührend. Meine besten Freundinnen kenne ich seit dem Kindergarten bzw. der ersten Klasse der Grundschule. Von daher drücke ich euch die Daumen dafür, dass die Entfernung euch nur noch mehr zusammenschweißt. 🙂

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