Kranke Menschen

Ich kam pünktlich zum Spanischunterricht. Das heißt, ich war fünf Minuten vor Stundenbeginn da. Der Raum war schon aufgeschlossen – ein Wunder! -, Tahmid und Ilai waren schon da – ein noch größeres Wunder! – und saßen im Raum drin. Die beiden sind außer mir die einzigen, die von unserer Schule noch dem Kurs angehören und eher sporadisch anwesend. Ilai kommt laut Aussage von Señor Enano mittlerweile auf über fünzig Prozent Fehlzeiten… und Tahmid ist kaum besser. Deswegen war ich doch mehr als erstaunt, dass die beiden da waren. Ilvy hatte ich draußen schon gesehen, von dem Rest fehlt jede Spur – vom Lehrer aber auch noch.

Zum Stundenbeginn sind Ilvy und Lena noch eingetroffen. Kurze Zeit später taucht auch Señor Enano mal auf. Die Anwesenheit wird kontrolliert („Ilai ist da – ausnahmsweise…“ – „Ich bin immer da!“ Ja nee, ist klar…) und Tahmid darauf hingewiesen, dass er noch einige Fehlstunden hätte. Die älteren könnte er aber sowieso nicht mehr entschuldigen, aber die letzte… sofern er die Entschuldigung heute vorlegen könnte.

Tahmid: „Die Entschuldigung hat mein Steuerberater!“
Señor Enano: „Ach, das ist nicht zufällig dein Vater, der Steuerberater ist?“
Tahmid: „Nein, nein. Der bewahrt sie in seinem Büro auf, ich muss die abholen.“
Ilai: „Du bist so doof, was hat denn ein Steuerberater mit deinen Entschuldigungen zu tun?“
Tahmid: „Ja, der kümmert sich halt so um meine Steuern und um meine Entschuldigungen.“

Ach so ist das also. Dann war die Entschuldigung „Ich konnte leider nicht am Unterricht teilnehmen, weil ich zu müde war.“ wohl auch von seinem Steuerberater entworfen… 😀
Ich verstehe solche Leute nicht. Wenn die sich schon ihre Entschuldigungen selber schreiben können, dann sollten sie das wenigstens nutzen. Wer will denn so viele unentschuldigte Fehlstunden im Zeugnis haben?!

Im Laufe dieses Gesprächs tröpfelten auch ein paar mehr Schüler in den Raum. Oder eher Schülerinnen, denn es handelte sich um Judith, Magdalena und Solange. Eine Viertelstunde nach Unterrichtsbeginn (*hust, hust*) trudelte dann auch Federica ein. Der Rest des Kurses beliebte nicht zu kommen… warum auch. Federicas begründete ihr Zuspätkommen übrigens folgendermaßen: „Entschuldigung, aber ich hab‘ mich an die Geschwindigkeitsbegrenzung gehalten!“

Kurz ging es dann um die Frage, ob wir denn im nächsten Schuljahr mal einen Vormittagstermin hätten, statt immer so spät am Nachmittag. Dass der Kurs in der anderen Schule stattfinden wird, ist schon einmal sicher (was mich nicht stört, die Schule ist näher an meinem Wohnort als meine eigene). Da dadurch allerdings Tahmid, Ilai und ich immer pendeln müssten (und das in unter zwanzig Minuten mit dem Rad nicht zu schaffen ist), ist das sehr, sehr unwahrscheinlich.

Dann gingen wir über zu normalem Unterricht (nach ungefähr 20 Minuten, damit lagen wir recht gut in der Zeit). Stundenthema: Wiederholung der Steigerung von Adjektiven. So weit, so gut.

Federica reichte Judith einen Brief. Das ist schon häufiger passiert und deswegen fragte ich nach, was es dmait auf sich habe.

Federica: „Ich bin der Postbote! … Nein, im Ernst (sie senkt die Stimme) Judith wohnt in der geheimen Zentrale unserer Terrororganisation. Damit sie nicht verfolgt werden kann, hat sie keine eigene Adresse und ich hole ihre Briefe.“

Habe ich schon erwähnt, dass ich schon so ein bisschen bescheuerte Menschen kenne? 😀

Das zeigte sich auch einige Minuten später, als Judith in die Runde fragte, ob nicht jemand einen Tintenkiller für sie hätte. Gleichzeitig fingen Ilvy und Federica an zu kramen und holten jeweils einen hervor.
„Nimm meinen!“ – „Nein, meinen musst du nehmen!“

Judith grinste und hielt die Hände hoch zum Fangen. Ein schwerer Fehler, denn Ilvy und Federica warfen beide – und das nicht gut. Knapp an Judiths Kopf vorbei und neben das Lehrerpult flogen die Tintenkiller.

„Boah ey, ihr seid kranke Menschen!“, rief Judith aus und stannd auf, um die beiden Stifte aufzuheben. Kaum hatte sie sich vorne danach gebückt – immer noch „Kranke Menschen“ murmelnd, zog Ilvy einen weiteren Tintenkiller hervor und warf abermals nach Judith. Diese stand gerade auf und wurde von dem Ding an der Schulter getroffen. Verwirrt sah sie ihn an.

„Hä und wem gehört der jetzt?“

Sie sah sehr verwirrt aus, die Gute… Ilvy lachte und meinte „Miiiiir – du musst meinen Tintenkiller benutzen!“

Federica natürlich sofort: „Neiiiiiiiin, meinen!!“

Schlussendlich benutzte Judith dann übrigens einen von Ilvys 😉

Und ja, das war mitten während des Unterrichtes 😉

Bei uns im Spanischunterricht ist es auch üblich, dass man einfach so aufstehen und rausgehen darf, um auf Toilette zu gehen(was schon einmal dazu führte, dass Magdalena und Achmed in der Aula auf der Bühne lagen und mit ihren Handys spielten…). Das nutzte Tahmid diesmal. Er blieb eine ganze Weile weg und als er schließlich wiederkam, fragte Señor Enano ihn, ob er denn gleich nebenbei noch drei Runden um die Schule gelaufen wäre. Ilai natürlich prompt: „In der Zeit würde der das gar nicht schaffen!“ und Tahmid winkte nur ab.

Zu dem Zeitpunkt sollten wir einige Aufgaben machen. Ilvy, Federica und ich waren schon längst fertig, Lena und Judith auch. Tahmid war gerade einmal bei dem ersten Satz… und dass, weil er die ganze Zeit mit Ilai sabbeln musste.

Señor Enano ballte spaßeshalber(oder doch nicht?) die Faust und meinte dann: „Pass bloß auf, das nächste Mal bringe ich meinen großen Bruder mit, der schlägt dich dann!“

 

Fazit: Mein Spanischkurs besteht aus echt komischen Leuten. Inklusive dem Lehrer…

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Eingeordnet unter Lehrer, Muffins Schulzeit, Schüler, Schulkram

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