Die Sache mit Frl. Einstein

Durch einen Artikel der lieben Frau Falke habe ich mich an eine Begebenheit erinnert, die schon einige Jahre zurückliegt. Diesen Artikel meine ich:

http://sovielzumthemaschule.wordpress.com/2012/03/28/ich-bin-lehrerin-und-habe-angst/

Damals (wenn man das schon sagen kann, sooo lange ist es nun ja auch wieder nicht her) war ich noch in der Mittelstufe, allerdings schon auf derselben Schule wie jetzt. Damals waren beispielsweise Mändy und Xenja, die ich hier schon erwähnte, in meiner Klasse. Luna auch.

Jedenfalls bekamen wir eine Referendarin, Frl. Einstein. Frl. Einstein unterrichtete Chemie und Physik.

Und sie hatte es ziemlich schwer mit uns. Auf sie hörte niemand, aber das war noch das geringste Übel. Beleidigungen waren alltäglich, offen und hinter ihrem Rücken. Sie versuchte natürlich, dagegenzusteuern, verwies beispielsweise Schüler des Raumes, doch das brachte nichts. Entweder gingen sie überhaupt nicht raus oder zumindest nicht zu unserem Sozialpädagogen (über den ich mich zu gegebener Zeit noch aufregen werde…).

Dieses Verhalten unserer Klasse wirkte sich auch auf das Verhalten von Schülern unserer Parallelklasse aus. Ich habe gehört, dass sie da einmal weinend aus dem Unterricht geflohen ist…

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir allerdings eine bestimmte Stunde. Keine Unterrichtsstunde bei Frl. Einstein, sondern eine Stunde, in der wir über sie gesprochen haben. Unsere Klasse war ziemlich geschlossen gegen sie und wollte etwas unternehmen, ich glaube, zur Schulleitung oder so. Auf jeden Fall wurde dann beschlossen, ein Gespräch mit ihr zu führen. Dazu sollten sieben Leute „entsendet“ werden. Aber zuvor sollten Argumente zusammengetragen werden.

Da kamen so schöne Dinge wie „Die stinkt!“ (Mändy…) oder „Die ist voll eklig!“ (Xenja…) oder auch „Die ist voll hässlich!“ oder „Die soll sich mal Seife kaufen!“ …

Sehr sachliche Argumente, natürlich. Auf diesem Niveau ging es eine Weile weiter.

Jetzt muss ich dazu sagen: Ich war damals wirklich sehr still. Deswegen habe ich mich an diesem Gespräch auch nicht beteiligt (mal neben der Tatsache, dass mir diese Diskussion zu doof war). Bis mir irgendwann der Kragen geplatzt ist und ich ziemlich aufgebracht mehrere Minuten am Stück geredet habe. Ich sagte, dass diese Argumentation ja wohl gar nicht angebracht sei, dass ich dieses Verhalten unmöglich fände, dass jemand, der keine sachlichen Argumente hat, lieber still sein sollte und noch einige Dinge mehr. Als ich endete, wurde ich ziemlich perplex angeschaut und erstaunlicherweise… begannen einige zu klatschen, ich weiß bis heute nicht, warum. Unser damaliger Klassensprecher unterband das dann auch rasch mit den Worten „Jetzt seid doch mal leise, ist mir doch egal, wenn so ein Freak mal aus sich rausgeht.“ (nette Bezeichnung übrigens O.o).

Letztendlich zählte ich nicht zu den sieben Leuten, die entsendet wurden, dafür aber Mändy. Sehr sinnvoll… *hust*

Die Lösung dieses Problems bestand übrigens darin, dass Frl. Einstein uns abgeben durfte. Ich glaube, sie war darüber ziemlich froh…

Frl. Einstein ist übrigens inzwischen Frau Einstein und unterrichtet immer noch an meiner Schule.

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4 Kommentare

Eingeordnet unter Lehrer, Muffins Schulzeit, Schüler

4 Antworten zu “Die Sache mit Frl. Einstein

  1. Hat sich das LehrerInnenkollegium damals dazu verhalten?

    • Das weiß ich ehrlich gesagt gar nicht. Uns gegenüber eigentlich nicht. Da wurde vielleicht mal erwähnt, dass wir uns doch bitte benehmen sollten, aber sonst?
      Was da mit der Parallelklasse gelaufen ist, weiß ich nicht, denn soviel mit denen zu tun hatte ich nicht.

  2. oh Gott, die Arme… Ich will ja echt nicht da vorne stehen, wenn man in allen Blicken so offensichtlich lesen kann, was die Schüler von einem denken…

    Und dein Verhalten, Hut ab, ich weiß nicht, ob ich mich das getraut hätte.

  3. Ich bewundere dich für deine klaren Worte. Hätte es mehr wie dich gegeben, hätte man das Ganze vielleicht angenehmer regeln können.

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